Empfehlungen des Staatsinstitutes für Frühpädagogik (IFP) für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen während der Corona-Krise (06.04.2020)


Sehr geehrte Fachkräfte,

viele von Ihnen leisten weiterhin, auch jetzt in der Corona-Krise, hervorragende Arbeit. Gleichzeitig ist diese Ausnahmesituation auch für Sie, wie für uns alle, sehr verunsichernd. Wir möchten Sie mit einigen Empfehlungen und Anregungen unterstützen und ermutigen.


1. Tipps für Fachkräfte in der Notbetreuung von Kindern

Normalität im Alltag und gewohnte Routinen geben Sicherheit

Auch wenn Sie nur einzelne oder sehr wenige Kinder in der Kindertageseinrichtung betreuen, versuchen Sie so viel Normalität im Kitaalltag wie möglich herzustellen und mit dem Kind oder den wenigen Kindern an den Alltagsritualen und der gewohnten Tagesstruktur, soweit es möglich und für die Kinder gut ist, festzuhalten.

Besondere Spiel-Erlebnisse ermöglichen

Versuchen Sie auf individuelle oder aufwendige Spielwünsche des Kindes einzugehen, die mit der größeren Gruppe nicht möglich sind. So ermöglichen Sie in dieser Notsituation besonders schöne Erlebnisse. Beispiele könnten größere Bauprojekte z.B. mit einer großen Eisenbahnlandschaft oder aufwendige Mal- und Bastelprojekte sein. Lassen Sie sich von dem Kind und seinen Interessen leiten, beteiligen Sie sich aber aktiv. Gerade wenn Sie nur ein oder zwei Kinder betreuen, sind Sie auch als Spielpartner sehr wichtig.

Eltern Sicherheit geben

Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und in der aktuellen Krisen-Situation ihr Kind zur Betreuung in die Kindertageseinrichtung bringen, stehen möglicherweise auch unter Anspannung oder sind verunsichert. Sie können Eltern und ihre Kinder am besten unterstützen, wenn Sie den Eltern signalisieren, dass sie ihr Kind gerne betreuen und alles daran setzen werden, um mit dem Kind einen anregungsreichen und entspannten Tag zu verbringen.

Schutz vor Ansteckung

In der Interaktion und Betreuung von Kleinkindern ist wirksamer Schutz vor Ansteckung nicht wirklich möglich. Das Tragen von Gesichtsmasken in der Kindertageseinrichtung bietet mehr Nachteile als es Sie tatsächlich schützt. Kleinkinder, die durch die ungewohnte Situation der Notgruppenbetreuung eh schon verunsichert sind, brauchen die Rückversicherung durch Sie als Bezugsperson. Eine Gesichtsmaske  verunsichert Kinder vor allem dadurch, dass sie Ihren Gesichtsausdruck nicht sehen können. Den brauchen Kinder aber, um Sicherheit zu erfahren. Durch Ihr freundliches Lächeln und Ihre zuversichtlichen Gesichtsausdruck erfahren Kleinkinder, dass die Situation nicht bedrohlich ist und können sich entspannen. Das gleiche gilt für den Körperkontakt, den Kleinkinder brauchen, um sich emotional zu regulieren. Diesen aus Angst vor Ansteckung zu verweigern, würde Kinder sehr verängstigen und ist letztlich auch nicht möglich.

Beachten Sie die Hygieneregeln auf dem Weg zur Arbeit und beim Ankommen in der Kindertageseinrichtung und ganz besonders in der Kita während der Betreuung.

Sie können auch die Eltern bitten, beim Abholen erst Hände zu waschen und zu desinfizieren, Schuhe und Mäntel abzulegen und Mund und Nase mit Schal oder Gesichtsmaske abzudecken. Sie können in Absprache mit den Eltern die Bring- und Abholsituation so gestalten, dass die Kinder draußen übergeben werden und dass Sie und die Eltern keinen nahen Kontakt haben.


2. Tipps für Fachkräfte, um im Kontakt mit Kindern und Eltern zu bleiben

Wenn Sie als Fachkraft nicht in die Notbetreuung von Kindern eingebunden sind, lohnt es sich trotzdem während der Kita-Schließung zu Ihren Bezugskindern und Familien in Kontakt zu bleiben.

Das zeigt Ihr Interesse und Ihre Wertschätzung gegenüber dem Kind uns seiner Familie, es unterstützt Eltern in der Betreuungssituation daheim und es erleichtert den Übergang zur Rückkehr in den gewohnten Kita-Alltag für alle.

In Kontakt bleiben heißt in Erinnerung bleiben

Je jünger Kinder sind, desto schneller werden sie sich von der Kita entwöhnen. Wir empfehlen Ihnen daher, sich bei den Familien Ihrer Bezugskinder zu melden, sich nach ihnen zu erkundigen und anzubieten, z.B. einmal pro Woche eine kurze Sprach- oder Videobotschaft zu senden, in der Sie sich direkt an das Kind wenden. Die Eltern haben dann die Möglichkeit, Sie als Bezugserzieherin und die Kita mit dem Kind zu besprechen und damit in Erinnerung zu halten. Je lebendiger die Erinnerung bleibt, desto leichter wird die Rückkehr in die Kita gelingen.

Anregungen aus dem Kita-Alltag für Zuhause

Sie können in Ihren Botschaften auch die Erinnerung an Kita-Rituale und Spiele wach halten, indem Sie mal ein Lieblingslied der Kinder singen, ein kurzes Bilderbuch zeigen oder Kita-Fotos von gemeinsamen Erlebnissen versenden. Für Eltern und Kinder können das auch Anregungen sein für Zuhause und auf jeden Fall tragen diese Botschaften dazu bei, die Erinnerung an die Kita, an Sie als Bezugserzieher/in und an die anderen Kinder lebendig und wach zu halten.

Ältere Kinder können Sie auch ermutigen, Ihnen ein Bild zu malen oder etwas zu bauen, von dem die Kinder Ihnen dann ein Foto schicken. Sie haben auch die Möglichkeit, so den Kontakt zwischen den Kindern virtuell herzustellen. Damit helfen Sie Kindern und ihren Familien sich in dieser Krisensituation nicht so einsam zu fühlen und stärken das Miteinander in Ihrer Kindertageseinrichtung.


3. Tipps für Fachkräfte um sich online weiterzubilden

Wir haben für Sie zu folgenden Themen Informationen und Anregungen aus dem IFP und dem IFP-Familienhandbuch zusammengestellt:

  • Kinder feinfühlig begleiten
  • Sprachliche Bildung daheim und in der Kita
  • Ressourcen aktivieren, gut miteinander umgehen
  • Weitere Links und Informationen


Kinder feinfühlig begleiten

Wenn Kinder erleben, dass ihre Bezugspersonen feinfühlig auf ihre psychischen Grundbedürfnisse eingehen, können sie dadurch Sicherheit und Stabilität auch in schwierigen oder angsteinflößenden Situationen gewinnen.

Fachliche Hintergründe zum Thema Feinfühligkeit und wie Sie als Fachkraft, Mutter oder Vater gut auf die psychischen Grundbedürfnisse von Kindern eingehen können finden Sie hier:

Neben wissenschaftlich fundierten Hilfestellungen bietet der Ratgeber Tipps und Erfahrungsberichte anderer Eltern sowie weiterführende Hilfsangebote. Zudem sind Kriterien aufgelistet, wie Eltern eine geeignete Betreuung für das Kind in den ersten Lebensjahren finden können. In die Broschüre eingelegt ist ein Leporello mit wichtigen Tipps zur elterlichen Feinfühligkeit.

Inhalte sind u.a.:

  • Was sind die emotionalen Grundbedürfnisse von Kindern? Warum ist ein feinfühliger Umgang mit den Bedürfnissen so wichtig für die Entwicklung?
  • Wie kann eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufgebaut und aufrechterhalten werden?
  • Wie kann man Kinder am besten bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützen?

Inhalte sind u.a.

  • Was sind die emotionalen Grundbedürfnisse von Kindern? Warum ist ein feinfühliger Umgang mit den Bedürfnissen so wichtig für die Entwicklung?
  • Wie kann eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufgebaut und aufrechterhalten werden?
  • Wie kann man Kinder am besten bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben unterstützen?

Möchten Sie sich Videobeispiele ansehen? Hier finden Sie einen kurzen Filmausschnitt, in dem Sie feinfühliges Verhalten in einer Kita-Situation beobachten können.

https://vimeopro.com/goetheinstitut/wkse/video/142987742


Möchten Sie Ihr eigenes Verhalten als Fachkraft reflektieren? Hierzu eignet sich besonders gut der vom IFP entwickelte PQB-Qualitätskompass: Das Instrument dient der Blickschulung und als praxisnahe Arbeitsgrundlage im Rahmen der pädagogischen Qualitätsbegleitung von Kindertageseinrichtungen. Es nimmt verschiedene Bereiche und konkrete Situationen der pädagogischen Arbeit in den Fokus und beschreibt positive, kindorientierte Interaktionsbeispiele. Der PQB-Qualitätskompass macht so sichtbar, was effektive Interaktionen, auch in herausfordernden Situationen im Kita-Alltag, ausmacht und woran man diese erkennt. Im Blickwinkel I (S. 29-29) geht es besonders um Feinfühligkeit.


Sprachliche Bildung daheim und in der Kita

Die Seite FACHLICH FIT: Sprachliche Bildung aus dem Effeff: Qualifizierungsplattform für Kita-Teams und die frühpädagogische Aus-, Fort- und Weiterbildung bietet Ihnen viele Informationen zur sprachlichen Bildung. Hier stellen wir drei Aspekte vor:

Bilderbücher dialogisch betrachten

Hier finden Sie alle Materialien zum Thema Bilderbücher dialogisch betrachten. Zum Einstieg bieten wir Ihnen einen Film mit Beispielen guter Praxis. Zusätzliche Informationen, Impuls- und Reflexionsfragen zur Auseinandersetzung mit dem Film sowie Praxistipps und Literaturvorschläge finden Sie im zugehörigen Begleitheft. Möchten Sie ein wenig tiefer in die Thematik einsteigen? Dazu bietet sich der Fachtext zum Thema an.

Essenssituationen sprachanregend gestalten

Hier finden Sie alle Materialien zum Thema Essenssituationen sprachanregend gestalten. Zum Einstieg bieten wir Ihnen einen Film mit Beispielen guter Praxis. Zusätzliche Informationen, Impuls- und Reflexionsfragen zur Auseinandersetzung mit dem Film sowie Praxistipps und Literaturvorschläge finden Sie im zugehörigen Begleitheft. Möchten Sie ein wenig tiefer in die Thematik einsteigen? Dazu bietet sich der Fachtext zum Thema an.

Längere Dialoge anregen

Hier finden Sie alle Materialien zum Thema Längere Dialoge anregen. Zum Einstieg bieten wir Ihnen einen Film mit Beispielen guter Praxis. Zusätzliche Informationen, Impuls- und Reflexionsfragen zur Auseinandersetzung mit dem Film sowie Praxistipps und Literaturvorschläge finden Sie im zugehörigen Begleitheft. Möchten Sie ein wenig tiefer in die Thematik einsteigen? Dazu bietet sich der Fachtext zum Thema an. Außerdem stehen Ihnen weitere Materialien mit praxisnahen Anregungen zur Umsetzung sprachlicher Bildungsaufgaben zur Verfügung.


Vorlesen in der Familie

Das Online-Familienhandbuch des IFP bietet Ihnen darüber hinaus Artikel zum Thema Vorlesen:

Wer früh liest, wird später schlau: Warum es so wichtig ist, dass Eltern vorlesen

Erzählen, vorlesen, selber lesen


Ressourcen aktivieren, gut miteinander umgehen

Für eine positive Kommunikation in der Familie finden Sie ebenfalls Tipps im Familienhandbuch des IFP:

Jetzt verstehen wir uns! – 10 goldene Regeln für die Kommunikation in der Familie

„Hörst Du mir eigentlich zu?“ – Warum Mütter, Väter und Kinder aneinander vorbeireden und was Eltern besser machen können

Familienleben mit Humor


Weitere Links und Informationen

Weitere Informationen zur Kindertagesbetreuung in Zeiten von Corona finden Sie auf der Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS):

https://www.stmas.bayern.de/coronavirus-info/corona-kindertagesbetreuung.php

https://www.stmas.bayern.de/coronavirus-info/corona-familien-orga.php

https://www.stmas.bayern.de/unser-soziales-bayern/familien-fachkraefte/corona-gutzuwissen.php

Im April-Newsletter des Portals Frühe Chancen finden Sie Hinweise zu Weiterbildungsmöglichkeiten und viele weitere interessante Tipps für die pädagogische Arbeit.

Tipps der Bayerischen Landeskoordinierungsstelle Musik: Musik daheim

Tipps der Stiftung "Haus der kleinen Forscher": Zum Weiterempfehlen an Eltern: Forscherideen für zu Hause

Staatsinstitut für Frühpädagogik

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