Rezensionen
Norbert Huppertz: Der Lebensbezogene Ansatz im Kindergarten. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2003, 80 Seiten, EUR 9,90
Im Mittelpunkt dieses frühpädagogischen Ansatzes steht das Er leben des Lebens – in der Natur, in der Kindergruppe, im Gemeinwesen, in der Geschichte, in fernen Ländern usw., durch Aktivität, Handeln und Zusammen leben . Im Mittelpunkt steht das Leben das Kinder, das ganzheitlich gesehen wird – also z.B. nicht in einzelne Lebenssituationen zerstückelt oder auf verschiedene Kompetenzbereiche bezogen. Auf dieses individuelle Leben hin ist die pädagogische Arbeit ausgerichtet.
Norbert Huppertz, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg, stellt den von ihm entwickelten Ansatz vor: das Bild von Kind, den Bildungsbegriff, zugrunde liegende Werte, didaktische und methodische Prinzipien, Leitsätze für die pädagogische Arbeit, die Bedeutung der Erzieherin-Kind-Beziehung, den partnerschaftlichen Erziehungsstil usw. Er beschreibt ausführlich die Projektarbeit und die Gestaltung von Aktivitätsangeboten, wobei er Entscheidungshilfen für die Auswahl von Themen und Inhalten gibt. Ferner betont er die Bedeutung von Freispiel und Raumgestaltung (Innen- und Außenräume, Bewegungsbaustelle). Schließlich geht Huppertz auf die Elternarbeit, die Kooperation mit der Schule und die Vernetzung der Kindertageseinrichtung mit dem Gemeinwesen ein.
Dr. Martin R. Textor
Dietmar Sturzbecher/ Heidrun Großmann (Hrsg.): Soziale Partizipation im Vor- und Grundschulalter. Grundlagen. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag 2003, 293 Seiten, EUR 29,90
Der von Sturzbecher und Großmann herausgegebene Sammelband entstand in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojekt "Konflikt als Chance". In den einzelnen Beiträgen werden Begriffe wie "Partizipation" und "Kooperation" definiert, zugrunde liegende Theorien skizziert, Phasen sozialer Partizipation unterschieden und psychologische Voraussetzungen – wie Selbstvertrauen, Kontrollüberzeugungen, Selbstwirksamkeit und Perspektivenübernahme – dargestellt. Es wird aber auch beschrieben, welche Kindheitsbilder in der Vergangenheit und in der Gegenwart vorherrschen und wie diese das Verständnis von Kinderrechten prägen. Andere Themen sind die moralische Entwicklung und deren Förderung sowie der Umgang mit Konflikten, Aggressionen und Gewalt in Kindergarten und Grundschule. Zum Schluss werden Forschungsbefunde referiert.
Der vorliegende Sammelband ist eher theoretischer Natur. Dennoch sind die Texte gut verständlich; auch gibt es viele Tabellen und Abbildungen. Praktische Anregungen für die Förderung kindlicher Partizipation in Kindergarten und Grundschule findet man in einem zweiten Band mit dem Titel "Praxis der sozialen Partizipation im Vor- und Grundschulalter".
Dr. Martin R. Textor
Dietmar Sturzbecher/ Heidrun Großmann (Hrsg.): Praxis der sozialen Partizipation im Vor- und Grundschulalter. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag 2003, 283 Seiten, EUR 19,90
Es ist eine wichtige Aufgabe von Erzieher/innen in Kindergarten und Hort sowie für Lehrer/innen an Grundschulen, Kinder auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorzubereiten. Das bedeutet auch, dass Kindern viele Gelegenheiten geboten werden müssen, wo sie ihre Interessen äußern und erfolgreich vertreten, Regeln mitbestimmen und ihre Lebensumwelt mitgestalten können. Nur dann werden sie selbstständig werden, sich als selbstwirksam erleben und Mitverantwortung übernehmen.
Der von Sturzbecher und Großmann herausgegebene Sammelband entstand in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Fortbildungsprojekt "Konflikt als Chance". Dementsprechend werden in den meisten Kapiteln Fortbildungsreihen beschrieben: zur Förderung von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeitserleben, zur Förderung von Perspektivenübernahme, zur Moralerziehung, zur Konflikterziehung, zur Kooperationsförderung, zur Partizipationsförderung, zur gemeinsamen Gestaltung von Projekten sowie zur Partizipation in Horten.
Es wird jede einzelne Fortbildungseinheit der jeweiligen Reihe vorgestellt – der thematische Einstieg, Praxisbeispiele als Diskussionsgrundlage, Impulsfragen, Merksätze, Handlungsempfehlungen, Praxisvorschläge, Spielideen, Trainingsprogramme, Beobachtungsbögen und (Bilder-, Kinder-, Fach-) Buchempfehlungen.
Der Sammelband ist jedoch nicht nur für Fortbildner/innen von Interesse, sondern auch für Erzieher/innen, da sie hier eine Vielzahl von Vorschlägen zur Erziehung, zur Beschäftigung und zum Umgang mit (Klein-) Kindern finden. Darüber hinaus werden relevante psychologische und pädagogische Kenntnisse vermittelt, z.B. darüber, was Selbstvertrauen ist und wie es sich entwickelt oder wie Konflikte gelöst und die entsprechenden Fertigkeiten gelernt werden können.
Dr. Martin R. Textor
Wolfgang Longardt: Gottes Schöpfung – unsere Welt, Bd. 1: Jeden Menschen als ein Wunder achten, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2003, 118 Seiten, EUR 12,95
Erfahrungen mit unseren Sinnen sind eine vorzügliche Quelle für religiöse Erfahrungen. Dieser bewährte Grundsatz der Religionspädagogik wird in der neuen Buchreihe "Gottes Schöpfung – unsere Welt" von Wolfgang Longardt für die Praxis der religiösen Erziehung im Kindergarten aufbereitet.
Schwerpunkt dieses Arbeitsheftes ist der Mensch als wundervolles Geschöpf. Die Einleitung gibt in erzählender Weise einen Einblick in die Vielfalt von Schöpfungsgeschichten. Die weiteren Praxiskapitel, in denen Vorlagen und Erfahrungen der Kindergartenleiterin Margarete Mix enthalten sind, präsentieren folgende Themen: "Wir staunen über unsere Augen; über unsere Ohren; über unsere Hände; über Haut und Haar. Wir staunen über den Zusammenhang von Leib und Seele; über das Wunder im Mutterleib; über unsere Träume und Hoffnungen."
Der Anhang rundet das vielfältige Praxisangebot ab: Lieder, Kopiervorlagen, Zeichnungen und Bilder erleichtern den praktischen Einsatz der Vorschläge.
Die Veröffentlichung ist nicht nur eine Sammlung von Praxisideen, sondern eine gründliche Einführung in theologische Überlegungen zur Schöpfung. Und dies nicht in dozierender Form, sondern vielmehr in erzählender und kreativer Weise, so dass die Leser/innen geradezu spielerisch und ganz beiläufig mit allen wichtigen Gedanken zum Thema "Menschen als Geschöpf Gottes" in Berührung kommen.
Michael Schnabel
Wolfgang Longardt: Gottes Schöpfung – unsere Welt, Bd. 2: Über Blumen und Bäume staunen, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2003, 118 Seiten, EUR 12,95
Im zweiten Band der Reihe "Gottes Schöpfung – unsere Welt" werden Botschaften und Erfahrungen beschrieben, die Blumen und Bäume Kindern und Erwachsenen aufzeigen können – Botschaften, die die Oberflächlichkeit durchstoßen und das Innerste im Menschen anrühren können.
In der Einleitung der Veröffentlichung wird die Zeichensprache der Blumen und Bäume gedeutet: Die Lilien auf dem Feld mit all ihrer Pracht sind ein Muster des Bilderreichtums von Blumen und ihrer Aussagekraft, die in der Bibel zu finden sind. Bäume als Sinnbilder für Schönheit, Hoffnung und Tiefe sind in der Lage, in jedem Menschen spirituelle Erfahrungen anklingen zu lassen.
Die Praxiskapitel, die von der Kindergartenleiterin Ursel Frerichs mitgestaltet wurden, entfalten folgenden Themen: Mein Freund der Apfelbaum. Kleine Blumen am Wegrand entdecken. Wir staunen über sehr kleine und sehr große Bäume. Wir säen, pflegen und bestaunen Sonnenblumen. Mit dem Kastanienbaum durch das Jahr. Von Sommerrosen und Christrosen. Von Bäumen in Gefahr.
Die Modelle zu den Themen "Blumen und Bäume" erschöpfen sich nicht in Auskünften aus den Naturwissenschaften, dies zwar auch – in erzählender Form. Aber viel mehr steht die Entfaltung von Erlebnisgestalten, wie sie Blumen und Bäume mitteilen können, im Zentrum der Ausführungen. Die Wahrnehmung und Erlebniswelt der Kinder werden somit auf eine tiefere Transparenz hin erweitert.
Michael Schnabel
Hannes Brandau/ Manfred Pretis/ Wolfgang Kaschnitz: ADHS bei Klein- und Vorschulkindern. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag 2003, 191 Seiten, EUR 19,90
Nahezu jede Erzieherin in Kindertageseinrichtungen wird mit hyperaktiven Kindern konfrontiert – Kindern mit dem Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätssyndrom (ADHS). Deshalb ist Fachwissen über dieses Störungsbild, den erzieherischen Umgang mit solchen Kindern und Therapiemaßnahmen unverzichtbar. Eine gute allgemeine Informationsquelle bietet das Buch von Brandau, Pretis und Kaschnitz – zwei Klinischen Psychologen und einem Kinder- und Jugendpsychiater mit umfassenden Kenntnissen und großen Praxiserfahrungen.
Zunächst wird ADHS beschrieben, einschließlich verschiedener Subtypen, diagnostischer Kriterien und Differentialdiagnosen. Dann werden mögliche Ursachen vorgestellt: genetische Übertragung, prä- und perinatale Einflüsse, Schadstoffe, Nahrungsmittelallergien, hirnanatomische Besonderheiten, neurochemische Prozesse und psychosoziale Faktoren. Aufgrund dieser Vielzahl möglicher Ursachen gibt es verschiedene Erklärungsmodelle, die anschließend diskutiert werden.
Die Autoren plädieren für eine möglichst frühzeitige Diagnostik, da Früherkennung und -behandlung die Entstehung von Begleitstörungen (mangelnde soziale Integration, Trotzverhalten, Neurotisierung usw.) verhindern können. So beschreiben sie Symptome, die in den ersten drei Lebensjahren auf ADHS hinweisen können, sowie verschiedene Stufen- bzw. Verlaufsmodelle. Anschließend werden Prinzipien einer systemischen und lebensweltorientierten Förderung dieser Kinder dargestellt, bevor verschiedene Therapiemaßnahmen präsentiert werden. Ein weiteres Kapitel – hier werden Erzieher/innen (und Eltern) direkt angesprochen – ist dem Verhaltensmanagement gewidmet, wobei auch verschiedene Spielangebote skizziert werden. In den beiden letzten Kapiteln geht es um Differentialdiagnostik und Fallbesprechungen im Team.
Das Buch ist mit vielen Abbildungen (inkl. Cartoons), Tabellen, Fragekatalogen und ähnlichen Hilfsmitteln versehen. Es bietet einen umfassenden Überblick über ADHS – was jedoch auch heißt, dass nur ein Teil der Aussagen die pädagogische Arbeit in Kindertageseinrichtungen direkt tangieren.
Dr. Martin R. Textor
Sigrid Weber (Hrsg.): Die Bildungsbereiche im Kindergarten. Basiswissen für Ausbildung und Praxis. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2003, 208 Seiten, EUR 14,90
Dieses Buch ergänzt die in den letzten Monaten entwickelten Bildungspläne: Renommierte Fachleute wie Gerd E. Schäfer, Sigrid Ebert, Renate Zimmer, Christa Preissing, Michaela Ulich und Gisela Lück stellen 10 wichtige Bildungsbereiche wie ästhetische, emotionale, sprachliche, musikalische, naturwissenschaftliche und mathematische Bildung vor. Dabei gehen sie von dem Wohl und den Bedürfnissen des Kindes aus, das sie als eine eigenaktive Person sehen, die sich in der Interaktion mit ihrer Umwelt selbst bildet. Die Bildungsbereiche werden deshalb von der Erfahrungswelt des Kindes her bestimmt. Dem Spiel, der Sinneswahrnehmung, der Bewegung, der Fantasie und der Kommunikation kommt dabei eine wichtige Rolle zu.
Dr. Martin R. Textor
Van Dieken, C., Rohrmann, T., Sommerfeld, V.: Richtig streiten lernen. Neue Wege in der Konfliktbewältigung. Freiburg: Lambertus 2004, 110 Seiten, EUR 10,00
"Wir Mädchen schlagen uns auch. Die Jungs sind brutaler." "Mädchen streiten sich am allermeisten. Sagen dumme Kuh, dicke Schlampe..." Zwei beispielhafte Äußerungen von Mädchen und Jungen zum Konfliktverhalten in Kindertageseinrichtungen.
Die Veröffentlichung stellt Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zum Konfliktverhalten von Jungen und Mädchen vor. Dazu wurden Kinder von neun Tageseinrichtungen in Hamburg nach ihrem Selbstverständnis, ihrem Konfliktverhalten und dem Eingreifen der Erzieher/innen befragt. Die Ergebnisse weisen das Pauschalurteil zurück, Jungen seien aggressiver als Mädchen: "Wird allerdings der Gewaltbegriff etwas weiter gefasst und auch verbales, abwertendes und provozierendes Verhalten dazu gezählt, dann treten auch Mädchen verstärkt in Erscheinung, sei es als Drahtzieherinnen oder als Beifallbekunderinnen."
Auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse wurde ein Fortbildungskonzept für Erzieherin/innen entwickelt und erprobt. Dadurch soll ermöglicht werden, dass Erzieher/innen Konflikte rechtzeitig erkennen und Lösungen unterstützen können.
Die Ergebnisse aus der Untersuchung bestehen fast ausschließlich aus Äußerungen der Kinder. Es wäre informativer, wenn konkrete Zahlen die Ergebnisse belegen würden und nicht pauschale Einschätzungen, wie z.B. "viele Erzieherinnen" oder "die meisten Kinder".
Michael Schnabel
Armin Krenz: Der Situationsorientierte Ansatz auf einen Blick. Freiburg, Basel, Wien: Herder 2004, 80 Seiten, EUR 9,90
Dieses Buch bietet eine knappe Einführung in einen der wichtigsten frühpädagogischen Ansätze der Gegenwart. Dieser wurde von dem Autor in dem 1990er Jahren selbst entwickelt. Armin Krenz beschreibt kurz die Entstehungsgeschichte, wobei er den situationsorientierten Ansatz von dem im Deutschen Jugendinstitut entwickelten Situationsansatz mit seinen "funktionsorientierten" "Didaktischen Einheiten" abgrenzt. Dann arbeitet er die Grundannahmen, das besondere Verständnis von Betreuung, Bildung und Erziehung, die Rolle der Erzieherin und die Voraussetzungen zur praktischen Umsetzung des situationsorientierten Ansatzes heraus. Zum Schluss geht er auf die Planung und Durchführung von Projekten ein, die von den Erfahrungen, Erlebnissen und Eindrücken der Kinder ausgehen und deren Lebenspläne berücksichtigen.
Dr. Martin R. Textor
Walter Ellermann: Bildungsarbeit im Kindergarten erfolgreich planen. Weinheim, Basel: Beltz 2004, 136 Seiten, EUR 14,90
Auf ein solches Buch mussten Erzieher/innen lange warten: Endlich entwickelt ein Autor eine Didaktik für den Kindergarten!
Zunächst skizziert Walter Ellermann den Bildungsauftrag, sein Bild vom Kind, seinen Begriff von "kindgemäß" und die Bedeutung sowohl des freien Spiels als auch des gezielten Angebots. Dann behandelt er die Didaktik der Bildungsarbeit, also die Fragen, was Ziele und Themen sein sollen (Didaktik im engeren Sinn) und welche Methoden, Verfahren, Medien und Materialien eingesetzt werden können (Methodik). Bei der Beantwortung dieser Fragen sollten sich Erzieher/innen von Prinzipien wie Anschauung, Aktivität und Lebensnähe leiten lassen, einen integrativen didaktischen Ansatz wählen (also Fähigkeiten, Bildungsbereiche und Situationen gleichermaßen beachten) und bei der didaktischen Analyse das einzelne Kind, die Gruppe, die institutionellen Voraussetzungen u. Ä. beachten. Erst dann sollten Ziele, Inhalte und Methoden für einzelne Bildungsangebote festgelegt werden. Diese können in der Form von Einzelaktivitäten, Lerneinheiten oder Projekten erfolgen. Zum Schluss befasst sich Ellermann mit Rahmenbedingungen wie Zeitplanung, Raumgestaltung, Gruppenstruktur und Teamabsprachen.
Dieses Buch mit seinen vielen Beispielen, Tabellen und Abbildungen gehört in jeden Kindergarten!
Dr. Martin R. Textor
Lilian Fried/ Barbara Dippelhofer-Stiem/ Michael-Sebastian Honig/ Ludwig Liegle: Einführung in die Pädagogik der frühen Kindheit. Weinheim, Basel, Berlin: Beltz 2003, 181 Seiten, EUR 14,90
Dieses recht anspruchsvolle Buch ist in erster Linie für Pädagogikstudent/innen und Wissenschaftler/innen von Interesse. Im ersten Teil entwirft Liegle eine Anthropologie des Kindes als Orientierungsrahmen für die Frühpädagogik. Im zweiten Teil geht Fried auf Bildungs- und Präventionsprogramme sowie auf Qualitätsmanagement ein, wobei die derzeit in den Bundesländern erscheinenden Bildungspläne noch nicht berücksichtigt werden konnten. Honig stellt dann im dritten Teil die Institutionen der Kindertagesbetreuung und deren Geschichte, ihre Strukturen und die in ihnen ablaufenden Prozesse vor. Im letzten Teil befasst sich Dippelhofer-Stiem mit dem Berufsbild, der Ausbildung und der Arbeitssituation von Erzieher/innen. Allen Beiträgen ist eigen, dass die Frühpädagogik als ein Theorie- und Forschungsfeld behandelt wird.
Dr. Martin R. Textor
Stäudel, Hanne: Kinder entdecken sich in der Bibel: eine neue Methode, lebensnah zu erzählen. München: Claudius Verlag, 2000, 125 Seiten, EUR 12,70
Soll man Geschichten aus der Bibel auch den Kindern im Kindergarten erzählen? Pädagoginnen in kirchlichen Kindergärten sprechen sich meist dafür aus. Jedoch wird dieser Entschluss durch Fragen und Unsicherheiten darüber geschwächt, welche Geschichten aus der Bibel kindgemäß sind und wie sie den Kindern erlebnisnah erzählt werden können.
Die Leiterin eines evangelischen Kindergartens – Hanne Stäudel – stellt in ihrer Veröffentlichung die Methode des "Ausmalenden Erzählens" für die Kindergartenkinder vor: Demgemäß werden die Geschichten für das Verständnis und Empfinden der Kinder überarbeitet. Es werden momentane Erlebnisse und Verhaltensweisen der Kinder mit den biblischen Geschichten verknüpft. Welche Methoden und Bearbeitungsschritte dafür erforderlich sind, zeigt die Autorin Schritt für Schritt auf. Und zugleich veranschaulicht sie den Bearbeitungsprozess am Beispiel der Erzählung von der Kindersegnung. Weiterhin wählt die Autorin für Kinder geeignete Geschichten aus der Bibel aus und fordert auf, diese Vorlagen für die Erlebniswelt der Kinder umzuschreiben. Der Schlussteil berichtet, wie Kinder im Kindergarten einen Zyklus biblischer Geschichten illustrieren und zu einem Leporello zusammenfügen.
Die Methode des "Ausmalenden Erzählens" aus der Bibel hat einen hohen Aufforderungscharakter für Kinder, sich mit biblischen Geschichten zu identifizieren, und für Pädagogen/innen, biblische Erzählungen mit Kindern zu behandeln.
Michael Schnabel
Christa Wanzeck-Sielert: Kursbuch Sexualerziehung. So lernen Kinder sich und ihren Körper kennen. München: Don Bosco 2004, 118 Seiten, EUR 14,90
"Sexualität und Körperlichkeit gehören zusammen. Kinder erleben Sexualität von Geburt an, auch wenn ihre sinnlichen und lustvollen Äußerungen oft nicht als sexuelle interpretiert werden. Kleine Kinder haben ein elementares Bedürfnis nach Geborgenheit, Wärme, Zärtlichkeit und sinnlicher Nähe. Sie schmusen und kuscheln gerne und erkunden, wie sich Umarmungen, Küsse und Berührungen anfühlen" (S. 11). So beginnt Wanzeck-Sielert das Kursbuch Sexualerziehung, mit dem sie Erzieher/innen Mut machen will, einen positiven Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität bei Kindern zuzulassen. Sie beschreibt die Bedeutung des Körpers, unterscheidet verschiedene elementare Körpererfahrungen, behandelt Sexualpädagogik im Kindergartenalltag, skizziert in einer "Ideenwerkstatt" verschiedene Aktivitäten und Methoden der Sexualerziehung und geht auch auf Gespräche im Team und mit Eltern zum Thema "Sexualität" ein. Im Anhang listet sie relevante Bücher für Kinder und Erwachsene, nützliche Materialien und Adressen auf. Ein reich bebildertes, praxisnahes Buch!
Dr. Martin R. Textor
Roger Loos: Praxisbuch Spracherwerb. Sprachförderung im Kindergarten. 1. Sprachjahr. München: Don Bosco 2004, 117 Seiten, EUR 19,80
Dieses im DinA4-Format erschienene Werk ist ein Praxisbuch im wahrsten Sinne des Wortes: Fast 90 der 117 Seiten sind voller Praxisbeispiele, Übungen, Spiele, Gedichte, Lieder, Rollenspiele, Memories usw., mit denen ausländischen Kindern der Grundwortschatz systematisch vermittelt werden kann. Bei jeder Spracherwerbseinheit werden die "Lernwörter" (maximal 7) zunächst in einem Kästchen aufgelistet. Hinzu kommen Beobachtungsbögen, Checklisten und eine kurze Einführung in Ziele, Funktionen und Modelle des (Zweit-) Spracherwerbs, die Bedeutung und Aufgabe der Erzieherin, den strukturellen und inhaltlichen Aufbau der Spracherwerbseinheiten und die Elternarbeit. Die Einheiten dauern 20 bis 25 Minuten und sollten möglichst zwei- bis dreimal pro Woche mit fünf bis sieben Kindern durchgeführt werden.
Dr. Martin R. Textor
Franz-Michael Konrad: Der Kindergarten. Seine Geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart. Freiburg: Lambertus 2004, 294 Seiten, EUR 19,00
Franz-Michael Konrad, Professor für Historische und Vergleichende Pädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, beginnt sein Buch über die Geschichte des Kindergartens etwas abrupt (ohne Vorwort oder Einführung) mit einer knappen Skizze der Lebensverhältnisse in der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Hier verdeutlicht er die sozial- und geistesgeschichtlichen Hintergründe der Entstehung der ersten Kindertageseinrichtungen, wie sie z.B. von Oberlin als Strickschule (1770), von Owen als Infant School (1812) oder in Frankreich als salle d'asiles (Ende des 18. Jh.) gegründet wurden. Dann beschreibt Konrad die Weiterentwicklung der Kinderbewahranstalten zu Kleinkinderschulen, die ersten Regelungen seitens der Staaten und die Anfänge der fachlichen Ausbildung (1800-1850), bevor er sich dem Fröbelschen Kindergarten und der Fröbelbewegung widmet (1840-1914).
Die folgenden Kapitel befassen sich mit der Geschichte des Kindergartens bis zum Ende des Kaiserreichs (1850-1918), in der Weimarer Republik (1918-1933), im Dritten Reich (1933-1945), in der alten Bundesrepublik (1945-1990), in der DDR (1945-1990) und nach der Wiedervereinigung (1990-2003). Im Anhang finden sich noch kommentierte Literaturangaben und Hinweise auf Museen mit Dokumenten aus der Geschichte des Kindergartens.
Das Buch ist gut lesbar und bietet auch viele Informationen über die Ideengeschichte der Elementarpädagogik, die Geschichte der Ausbildung und des Erzieherberufes, die zunehmende Verrechtlichung und öffentliche Finanzierung der Kindertagesbetreuung, die quantitative Entwicklung in diesem Bereich und die frühpädagogische Forschung.
Dr. Martin R. Textor
Hans-Peter Langfeldt/ Werner Nothdurft: Psychologie. Studienbuch für soziale Berufe. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag/ Stuttgart: UTB, 3. Aufl. 2004, 309 Seiten, EUR 24,90
Jede/r von uns verfügt über psychologisches Alltagswissen, mit dessen Hilfe das Erleben und Verhalten anderer Menschen erklärt wird. Es dient der Orientierung in sozialen Situationen und der Steuerung des eigenen Verhaltens. Hans-Peter Langfeldt und Werner Nothdurft laden dazu ein, dieses Alltagswissen auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen. Ihr Lehrbuch soll insbesondere Studierenden der Sozialpädagogik als Einführung in psychologische Denkweisen über den Menschen dienen und ihnen bei der Aneignung professioneller Handlungsweisen helfen. Diese Zielsetzung bedingt, dass vor allem für soziale Berufe – und damit auch für Erzieher/innen – relevante Inhalte aus dem kaum noch überschaubaren Bereich der Psychologie ausgesucht wurden.
Zunächst analysieren die beiden Autoren, was Psychologie zur Wissenschaft macht: Erkenntnisprozesse, Untersuchungsperspektiven, Forschungsmethoden und Wege der Datenanalyse. Danach wird es für sozialpädagogische Fachkräfte interessanter: Im Kapitel "Psychologie der Person" werden verschiedene Menschenbilder und Persönlichkeitstheorien vorgestellt. Unter der Überschrift "Psychologie der Entwicklung und Erziehung" werden anschließend Entwicklungstheorien, ein Überblick über den Lebenszyklus, Lerntheorien und Erkenntnisse über erzieherisches Verhalten präsentiert. Im dritten Grundlagen-Kapitel "Soziale Interaktion und Kommunikation" werden interpersonale Prozesse und soziale Gruppen analysiert, aber auch diesbezügliche individuelle Faktoren wie Personenwahrnehmung, Einstellungen und Attributionstendenzen.
In den nächsten beiden Kapiteln wird die Anwendung psychologischer Erkenntnisse thematisiert – zum einen bei der Diagnostik (Beobachtung, Anamnese, Tests...) und zum anderen bei Interventionen (Psychoanalyse, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie...). Auch das letzte Kapitel "Psychologische Aspekte sozialer Professionalität" ist anwendungsorientiert: Hier geht es vor allem um die sozialpädagogische Praxis, insbesondere um Gesprächsführung, Selbst- und Fremdwahrnehmung am Beispiel interkultureller Arbeit, Mediation bei Konflikten und Umgang mit Emotionen in der Sterbe-Begleitung.
Wie von einem Lehrbuch zu erwarten, haben die Autoren ihr Buch gut gegliedert, die einzelnen Seiten mit Marginalien versehen, häufig von Tabellen und Abbildungen Gebrauch gemacht und ein umfassendes Stichwortverzeichnis erstellt. Der Text ist relativ gut lesbar. Das Buch kann somit Erzieher/innen empfohlen werden, die eine wissenschaftlich fundierte Einführung in die Psychologie lesen oder ein Nachschlagewerk erwerben wollen.
Dr. Martin R. Textor
Eva Schumacher (Hrsg.): Übergänge in Bildung und Ausbildung. Gesellschaftliche, subjektive und pädagogische Relevanzen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag 2004, 317 Seiten, EUR 18,00
Die Stufen des deutschen Bildungssystems müssen als Übergänge bewältigt werden. Im vorliegenden Band werden interessanter Weise die Übergänge vom Beginn bis Ende des formalen Bildungssystems zusammengeführt. Nach grundlegenden Beiträgen zur Übergangsforschung aus psychologischer (W. Griebel) und soziologischer Sicht (B. Stauber, A. Walther) werden in dem vorliegenden Band der Übergang von der Familie in den Kindergarten (H.-J. Lee) und vom Kindergarten in die Grundschule (R. Niesel) behandelt. Neben diesen relativ oft bearbeiteten Bereichen sind in den Sammelband die Übergänge in die weiterführenden Schultypen aufgenommen worden: in die Hauptschule (A. Liegmann, B. Lumer), in die Realschule (S. Däschler-Seiler) und ins Gymnasium (E. Schumacher). Es schließen sich die Übergänge von der Schule in Ausbildung und Beruf (W. Jugmann) sowie ins Studium (C. Heine, H. Spangenberg) an. Neben "konformen" Übergängen, die im Sinne des Aufstiegs in einer Bildungskarriere erwartet werden, sind auch solche aufgenommen, die diesem Schema nicht entsprechen: Klassenwiederholungen und Wechsel des Schultyps "nach unten" (W. Böttcher) sowie das Überspringen von Klassen (A. Heinbokel), abgeschlossen vom Beispiel bewusst und gelungen gestalteter Übergänge einer Gesamtschule in Hessen (D. Kuhn, K. Schüßler).
Die Form der Darstellung der Übergänge ist unterschiedlich, da nicht einheitlich theoretisch geleitet. Weil die Zielgruppe des Buches aber Fach- und Lehrkräfte aus mehreren Stufen des Bildungssystems sind, wird der Blick von der meist doch auf einen einzigen Punkt verengten Perspektive (z.B. Kindergarten - Schule) erweitert und regt an, über Risiken und Herausforderungen über die "Nahstellen" im Bildungssystem zu reflektieren, da diese keine "Sollbruchstellen" sein dürfen. Das hilft, eine längsschnittliche fachliche Perspektive einzunehmen, und diese wiederum erleichtert nicht nur den Dialog mit anderen Fach- und Lehrkräften, sondern vor allem mit den Eltern. Denn deren Perspektive zur Bildungslaufbahn ihrer Kinder erscheint oft bereits von Anfang des Einrichtungsbesuchs an aufs Ganze gerichtet – was leider nur als Störfaktor im Gespräch mit der Fachkraft wahrgenommen wird. Die Bewältigung von Übergängen wie der Eintritt in den Kindergarten oder in die Schule reflektiert aber Kompetenzen des Kindes und der beteiligten Erwachsenen, die tatsächlich als "Lernen fürs Leben" erscheinen dürfen.
Wilfried Griebel
Eckart Bücken/ Reinhard Horn (Hrsg.): Welt-Musikreise für Kinder. Mit CD. Lippstadt: Kontakte Musikverlag 2004, 80 Seiten, EUR 10,20; CD ca. 60 Min., EUR 13,20
Dieses vom Buchhandel und von den Hilfswerken Brot für die Welt, Misereor, missio und Renovabis vertriebene Buch enthält die Texte und Noten von 23 Kinderliedern und drei Kindermusicals, die aus Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kuba, Peru und den USA, Namibia, Ghana und Südafrika, Indonesien, Korea, Arabien, Vietnam und Australien, Italien, den Niederlanden, Ungarn, Kroatien, Slowenien, Deutschland und der Türkei stammen. Sie wurden aus rund 500 von Mitarbeiter/innen der vorgenannten Hilfswerke gesammelten Liedern ausgewählt. Diese wollen durch das Büchlein und die CD die Solidarität mit den Menschen der Einen Welt fördern.
Die Texte sind zum Teil frei, zum Teil nah am Original übersetzt worden. Oft sind die Originaltexte unter der Übersetzung oder einzelne Strophen in der jeweiligen Ursprungssprache abgedruckt worden. Zu vielen Liedern – und natürlich zu den drei für Kindergarten, Schule bzw. Gemeinde gedachten Musicals – gibt es Spielideen bzw. Szenentexte.
Die Lieder auf der CD werden – allerdings nur in deutscher Sprache – von Reinhard Horn und dem Kinderchor "Young Rhythm" der Musikschule Erwitte gesungen.
Dr. Martin R. Textor
Gabriele Faust/ Margarete Götz/ Hartmut Hacker/ Hans-Günther Rossbach (Hrsg.): Anschlussfähige Bildungsprozesse im Elementar- und Primarbereich. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag 2004, EUR 19,90
Mit diesem Band wird die Dokumentation eines internationalen Symposiums vom April 2003 vorgelegt, mit der eine Forschergruppe "Bildungsprozesse, Kompetenzentwicklung und Formation von Selektionsprozessen im Vor- und Grundschulalter" den Auftakt zu empirischer Bildungsforschung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg gegeben hat.
Die Beiträge gliedern sich in folgende Bereiche: Bildungskonzepte für den Elementarbereich behandeln W.E. Fthenakis und G. Erning. Domänenspezifische Bildung im Vorschulalter wird dargelegt mit mathematischem Verständnis und dessen Förderung (E.C. Wittmann, K. Hasemann), Vorhersage von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten (H. Marx), kommunikativen Fähigkeiten (M.-C. Bertau, A. Speck-Hamdan) sowie Fremdsprachenerwerb (S. Weinert). Die Langzeitentwicklung im Vor- und Grundschulalter belegen Beiträge über pädagogische Qualität in Familie, Kindergarten und Grundschule (W. Tietze), über ein groß angelegtes Forschungsprojekt in England zum Einfluss von frühpädagogischer Erziehung und Bildung (K. Sylva u.a.), über die Förderung von Sprache und Präliteralität (damit man diesen Begriff auch einmal kennen lernt) in Familie und (Vor-) Schule (P.P. M. Leseman, P.F. de Jong), über Basisprüfverfahren und Dauerbeobachtung in der Grundschule (P. Tymms, M. Wylde) sowie über Selbstkonzept- und Leistungsentwicklung im Anfangsunterricht "KILIA" (G. Kammermeyer, S. Martschinke). Innovative Modelle des Schulanfangs aus dem In- und Ausland (Schweiz: M. Heyer-Oeschger; Österreich: G. Grogger, W. Wolf; Deutschland: M. Götz, H. Hacker) beschließen den Band. Auswahl der Themen und der Autoren verleihen dem Buch ein aktuelles Gewicht – auch in der Nach-Lese.
Wilfried Griebel
Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten. Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes. Weinheim, Basel: Beltz, 3. Aufl. 2004, 296 Seiten, EUR 19,90
In den letzten Jahren sind viele Waldkindergärten in Deutschland gegründet worden. Träger und Erzieherinnen haben sich dabei häufig an dem Buch von Ingrid Miklitz orientiert, das mit Recht als eines der wichtigsten Standardwerke über diesen pädagogischen Ansatz bezeichnet werden kann.
Zunächst stellt Miklitz die Waldkinderpädagogik vor: ihre historische Entwicklung, die theoretischen Grundlagen, die Rolle der Erzieherin usw. Dann befasst sie sich mit dem, was eine in der Natur arbeitende sozialpädagogische Fachkraft wissen muss: Kriterien für die Eignung von Waldplätzen, potenzielle Gefahren und deren Vermeidung, Wetterkunde, Kleidung, Ausrüstung der Kinder etc. Anschließend geht es um die pädagogische Praxis, also um verschiedene Spielformen, Methoden der Naturerkundung, erlebnispädagogische Angebote, Rituale, Regeln, Festgestaltung, Integration von Kindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf und die Gestaltung der Übergänge von der Familie in den Waldkindergarten und von dort in die Schule. In einem Exkurs wird auf Waldtage verwiesen, die von Regeleinrichtungen durchgeführt werden können.
In den nächsten Kapiteln behandelt Miklitz die Elternarbeit, die Organisation des Waldkindergartens (Träger, Elternbeiträge, Öffentlichkeitsarbeit...), Finanzierungsfragen und gesetzliche Grundlagen. Ferner geht sie ausführlich auf die Frage "Wie gründe ich einen Waldkindergarten?" ein (mögliche Rechtsformen, Vereinsgründung, Errichten von Wetterschutzbauten, Versicherungsfragen usw.). Nach einem Exkurs über Waldkindergärten in Schweden und einem Überblick über relevante Forschungsergebnisse schließt das Buch mit einem umfangreichen Anhang, in dem die Leser/innen z.B. ein Vertragsmuster zur Nutzung von Waldflächen, eine Vorlage für den Antrag auf Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe, eine Mustersatzung sowie Vorlagen für Arbeits- und Praktikantenverträge finden.
Dieses Buch ist ein "Muss" für alle Personen, die entweder einen Waldkindergarten gründen oder in ihm arbeiten wollen.
Dr. Martin R. Textor
Benno Biermann/ Erika Bock-Rosenthal/ Martin Doehlemann/ Karl-Heinz Grohall/ Dietrich Kühn: Soziologie. Studienbuch für soziale Berufe. München, Basel: Ernst Reinhardt Verlag/ Stuttgart: UTB, 4. Aufl. 2004, 443 Seiten, EUR 24,90
Dieses von Professor/innen der Fachhochschule Münster erstellte "Uni-Taschenbuch" bietet eine umfassende Einführung in den Bereich der Soziologie – speziell für Sozialpädagog/innen und Angehörige verwandter Berufe. Dies bedeutet, dass es nicht wie andere Lehrbücher an einer fachinternen Systematik ausgerichtet ist, sondern dass für berufstätige Sozialarbeiter/innen und sozialpädagogische Fachkräfte relevante Inhalte im Vordergrund stehen.
Der Sammelband ist in zwei Hauptteile gegliedert: "Theorien gesellschaftlicher Problembereiche": Hier werden soziologische Begriffe, Theorien und empirische Forschungsergebnisse bezogen auf die "Arbeitsfelder" von Sozialpädagog/innen vermittelt, also mit Bezug auf Familie, Jugend und Alter, auf Personen mit "abweichendem" Verhalten, auf soziale Ungleichheit und Armut. "Theorien sozialberuflichen Handelns": In diesem Teil geht es um die Möglichkeiten und Grenzen Sozialer Berufe unter institutionellen, fachlichen und kollegialen Bedingungen, insbesondere um Berufsrollen und Professionalisierung, um administrative Strukturen und das Handeln in Organisationen sowie um Gruppensoziologie und Gemeinwesenarbeit.
Obwohl dieses Studienbuch eine hohe Praxisrelevanz besitzt, werden Handlungsanweisungen oder theoretisch fundierte Problemlösungsvorgaben bewusst nicht gegeben – dies sei nicht Aufgabe der Soziologie. Die Leser/innen finden aber Interpretationen und Verhaltensanregungen, durch die das in der Praxis gegebene Spektrum von Optionen erweitert wird.
Wie bei einem Lehrbuch zu erwarten, ist der Inhalt gut gegliedert und mit vielen Tabellen bzw. Schaubildern versehen. Marginalien auf jeder Seite und ein Stichwortverzeichnis erleichtern die Orientierung und reizen Personen, die das Buch nicht von vorne bis hinten lesen wollen/ können, zum kursorischen Lesen bzw. zum Heraussuchen momentan relevanter Textpassagen. Die einzelnen Kapitel – obwohl von verschiedenen Personen verfasst – sind relativ gut lesbar, da z.B. weitgehend auf Literaturhinweise in Klammern verzichtet wurde, die den Lesefluss beeinträchtigen.
Obwohl das Studienbuch in erster Linie für (zukünftige) Sozialpädagog/innen geschrieben wurde, ist es durchaus auch für Erzieher/innen interessant, die sich einen Überblick über die Soziologie verschaffen wollen – zumal für Sozialarbeiter/innen relevante Themen zumeist auch für sie von Bedeutung sind.
Dr. Martin R. Textor


