Initiative Kinderkrippen in Bayern
Renate Niesel
Die Initiative "Kinderkrippen in Bayern" war im Mai 2001 von Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber und dem Präsidenten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) Dr. Randolf Rodenstock vereinbart worden. Im Rahmen eines Modellprojektes wurde in den sieben Regierungsbezirken Bayerns je eine Ganztagseinrichtung für Kinder unter drei Jahren eingerichtet, sodass insgesamt rund 85 Ganztagsplätze entstanden sind. Ausgewählt wurden die Standorte Fürth, Hof, Ingolstadt, Lappersdorf, Kleinostheim, Neu-Ulm und Passau. An der Finanzierung beteiligen sich der Freistaat Bayern, Kommunen und Träger (einschließlich der Elternbeiträge) mit je 20 Prozent der Kosten, die vbw und der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) mit 40 Prozent. Begleitet wird das Projekt von einem Fachbeirat.
Das Projekt verfolgt mehrere Ziele:
- Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll unterstützt werden, indem Eltern als Alternative zur Erziehung ihres Kindes in der Familie oder bei einer Tagesmutter ein qualitativ hochwertiges Betreuungsangebot zur Verfügung gestellt wird.
- Das Projekt soll Signalcharakter für andere Gemeinden und Träger – aber auch für Betriebe – haben, sich ebenfalls in der Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren zu engagieren.
- Das Ansehen der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Kinderkrippen soll durch eine hohe fachliche Qualität des Personals und der Einrichtungen insgesamt verbessert werden.
An allen ausgewählten Standorten wurden die Kinderkrippen im Laufe des Jahres 2002 eröffnet. Die Sicherung der Qualität des Betreuungsangebotes war von Beginn an oberste Zielsetzung. Aus diesem Grund startete im August 2002 eine Qualifizierungsmaßnahme für das Fachpersonal der neu gegründeten Krippen, die von einer Diplom-Pädagogin und einer Diplom-Psychologin geleitet wurde. In zunächst sechs Fortbildungsmodulen wurde Fachwissen vermittelt, eingeübt und vertieft. Eine Anbindung an die Praxis wurde durch die Hospitation in Münchner Kinderkrippen erreicht. Ergänzt wurden die Qualifizierungsmaßnahmen durch regionale Arbeitstreffen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten und Supervision. Nicht zuletzt durch die großzügige Unterstützung des Projektes durch das Sozialreferat der Stadt München, das über ein über Jahrzehnte gewachsenes Know-how in allen Aspekten der Krippenpädagogik verfügt, hat diese Weiterbildungsmaßnahme beispielgebenden Charakter. Wegen des großen Erfolges wurde sie verlängert und wird bis in das Jahr 2005 fortgesetzt werden.
Für die Qualität einer Einrichtung ist aber nicht nur die Qualifizierung der Fachkräfte wichtig, sondern die Träger zeichnen für die Qualitätslenkung und Qualitätssicherung verantwortlich. Vertreter und Vertreterinnen der Träger (Freie Träger, ein kirchlicher Träger, Gemeinden, Elterninitiativen, ein Unternehmen) der Projektkrippen wurden im Rahmen von zwei Trägertreffen über Fachfragen informiert und hatten Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch sowie zur Vernetzung. Zudem standen die Projektbegleiterinnen auch ihnen als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.
Vom Staatsinstitut für Frühpädagogik wurde die wissenschaftliche Dokumentation des Entwicklungsprozesses der sieben Einrichtungen übernommen. Dazu wurde eine Interviewstudie mit den Leiterinnen der Kinderkrippen, Vertretern und Vertreterinnen der Träger sowie mit Eltern, deren Kinder diese Krippen besuchen, durchgeführt. Insbesondere soll es darum gehen, Erkenntnisse und Erfahrungen aus diesem Projekt für zukünftige Initiativen nutzbar zu machen. Eine Veröffentlichung, die nicht nur die sieben Krippen porträtiert, sondern auch auf pädagogische Fragen der Krippenbetreuung eingeht sowie Tipps für zukünftige Initiativen gibt, ist in Vorbereitung.


