Die Gestaltung einer mathematischen Bildung im Kindergarten
Prof. Gerhard Preiß
Kleine Kinder zeigen früh ein ausgeprägtes Interesse für Zahlen und für Formen. Dieses Interesse aufzugreifen und in eine gezielte Förderung der individuellen Fähigkeiten und Begabungen eines Kindes umzusetzen, ist eine Herausforderung an die Eltern wie auch an die Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Im folgenden Beitrag stelle ich das Konzept "Entdeckungen im Zahlenland" vor, mit dessen Hilfe wir diese Herausforderung zum einen wissenschaftlich fundiert und zum anderen mit Spaß und Erfolg für alle Beteiligten annehmen können.
Mehr als Rechnen! Die Zielsetzung einer frühen mathematischen Bildung
Ein Konzept für die frühe mathematische Bildung sollte nicht isoliert nur zum Zwecke mathematischer Ziele betrachtet, sondern immer als Teil einer breit angelegten Förderung individueller Fähigkeiten begriffen werden.
Das Konzept "Entdeckungen im Zahlenland" wurde mit der Zielsetzung entwickelt, die Kinder in die Welt der Mathematik einzuführen, und dabei fachübergreifende Zusammenhänge herzustellen und allgemeine Fähigkeiten zu fördern.
Mathematische Ziele
Zur mathematischen Zielsetzung gehören:
- Vertrautheit mit Eigenschaften und Anwendungen der Zahlen von 1 bis 10
- Überblick über den Zahlenraum von 1 bis 20
- Einfache Beispiele und Vorstellungen zum Rechnen
- Kennen lernen geometrischer Formen – ebene Figuren sowie Körper im Raum
- Lösen von Problemen durch Nachdenken und Kombinieren
- Behutsame Einführung in mathematische Fachbegriffe und Symbole
Oberstes Ziel ist dabei immer, dass die Kinder den Umgang mit Mathematik als ein erfreuliches, wertvolles und vor allem auch erreichbares Ziel erleben.
Fachübergreifende Ziele
Das fachliche Ziel, einen weiten Zahlbegriff aufzubauen, ist eng mit der fachübergreifenden Zielsetzung verbunden, die Erfahrungen im "Zahlenland" in die Lebenswelt der Kinder einzupassen. Die "Entdeckungen im Zahlenland" helfen den Kindern, Wissen über die Welt aufzubauen und mit ihrem Leben zu verbinden. Sie erfahren, dass die Welt mit Hilfe von Zahlen und geometrischen Formen genauer wahrgenommen und beschrieben werden kann. Bezüge zur Lebenswelt des Kindes sind zum Beispiel in folgenden Bereichen möglich :
- Die Pflanzenwelt mit ihren Formen von Blättern und Blüten
- Eigenschaften und Lebensweisen von Tieren
- Takt und Harmonien in der Musik
- Zahlen und Formen in Kunst und Kultur
- Den ganz normalen Lebensraum des Kindes mit Wohnungen, Häusern, Spielzeug, Straßen, Verkehr, technischen Geräten und ähnlichen Dingen
Allgemeine Ziele
Das Projekt verfolgt neben den mathematisch geprägten Zielen auch allgemeine Ziele der frühkindlichen Förderung:
- Entwicklung der Wahrnehmung (Sehen, Hören, Tasten)
- Förderung der Feinmotorik und der Koordinationsfähigkeit
- Erziehung zu Aufmerksamkeit (Auswahl und Konzentration)
- Übungen zum Gedächtnis
- Erprobung von Verstand und Phantasie durch Aufgaben und Geschichten
- Mathematik als erfreulich, wertvoll und verständlich erleben
So leistet eine frühe mathematische Bildung einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung aller Kräfte des heranwachsenden Gehirns.
Der Aufbau des Zahlbegriffs in den "Entdeckungen im Zahlenland"
Der Aufbau des Zahlbegriffs, wie er hier für die vorschulische Erziehung vorgeschlagen wird, vollzieht sich im Rahmen von drei Erfahrungs- und Handlungsfeldern: im Zahlenhaus, auf dem Zahlenweg und in den verschiedenen Zahlenländern.
Das Zahlenhaus
Im Zahlenhaus besitzt jede Zahl einen festen Ort und eine eigene Wohnung. Durch das Einrichten des Zahlenhauses und durch die "Möblierung" der Wohnungen machen sich die Kinder mit den Eigenschaften einer Zahl vertraut. In fünf bzw. zehn Gymnastikreifen (für die Zahlen 1 bis 5 bzw. bis 10), die auf dem Boden liegen, kommen Hausnummern, Bilder, Bälle, Bauklötze, Gärtchen, Blumen, Blätter usw. Im Laufe der Zeit wird diese Ausstattung immer reichhaltiger. Sind die Wohnungen möbliert, werden die Zahlen begrüßt und nach verschiedenen Übungen wieder verabschiedet. Die Kinder wenden sich dabei mit ihrem ganzen Körper den Zahlen zu, die zuverlässig immer am gleichen Ort zu finden sind.
Das Zahlenhaus fördert gezielt die simultane Erfassung der Zahlen, die grundlegend für einen tragfähigen Zahlbegriff ist. Die bewusste Beachtung der Gestaltgesetze bei der Einrichtung des Zahlenhauses unterstützt dieses Erfassen "auf einen Blick".
Die Zahlenländer
In jedem Zahlenland herrscht eine bestimmte Zahl: Im Einerland wohnt die Eins. Dort gibt es alle Dinge nur einmal. Die Zwei wohnt im Zweierland, wo alle Dinge paarweise auftreten. Entsprechend: Dreierland, Viererland usw.
Am Tor zum jeweiligen Zahlenland wacht ein strenger Wächter darüber, dass nur passende Dinge und Lebewesen eintreten dürfen. Was gibt es nur einmal? Die Sonne, den Mond, meine Mutter, mich selbst usw. Welche Dinge treten paarweise auf? Welche Blumen besitzen drei, welche vier oder fünf Blütenblätter? Wie viele Beine hat ein Vogel, eine Katze, eine Fliege, ein Käfer oder eine Spinne; ein Stuhl, ein Tisch? Welchem Zahlenland könnte man ein Fenster oder eine Tür zuordnen?
In den Zahlenländern löst man Rätsel, singt passende Lieder, tanzt und ist fröhlich. Durch Geschichten vom Zahlenland wird das Märchenhafte betont und die Phantasie der Kinder angeregt. Die Zahlenländer verbinden die mathematischen Lerninhalte mit der Lebenswelt der Kinder.
Der Zahlenweg
Auf dem Zahlenweg nähert man sich den Zahlen Schritt für Schritt : zuerst von 1 bis 10, dann bis 12 und schließlich bis 20. Als Material dienen Teppichfliesen, auf denen die Ziffern von 1 bis 20 aufgemalt sind. Die Fliesen für 5, 10, 15 und 20 haben jeweils eine andere Farbe, um den Zahlenweg gut überschaubar zu gliedern.
Das wichtigste Hilfsmittel beim Zahlenweg ist das Zählen: vor und zurück und von jeder Stelle aus. Die Verbindung von Zählen und Gehen schafft eine natürliche Situation, die den Lernprozess nachhaltig stützt.
Bei den zahlreichen Übungen werden die Ziffern in ihrer Gestalt und Aufeinanderfolge wahrgenommen und im Gedächtnis in der richtigen Abfolge und Nachbarschaft abgespeichert. Die Zahlen werden aktiv mit dem ganzen Körper erlebt und zugänglich gemacht. Der Zahlenweg soll dem Kind so vertraut werden wie ein täglich begangener Pfad mit seinen markanten Zeichen und Verweilplätzen. An jeder Stelle kennt das Kind sich aus. Es weiß, wo es sich befindet, was vor und was hinter ihm liegt – auch wenn es die Augen schließt.
Die Weite des Zahlbegriffs
Mit Hilfe dieser drei Handlungs- und Erfahrungsfelder wird nach und nach ein Zahlbegriff aufgebaut, der alle Aspekte bzw. Verwendungsarten der Zahlen berücksichtig, die in der Didaktik der Mathematik unterschieden werden:
- Codierungsaspekt: Zahlen werden als Namen zur Unterscheidung von Objekten benutzt.
Beispiele: Telefonnummern, Steuernummern, Postleitzahlen - Kardinaler Aspekt: Zahlen werden benutzt, um die Anzahl der Elemente einer Menge anzugeben. Frage: Wie viele?
Beispiele: 5 Äpfel, 12 Bälle, 8 Steine - Ordinaler Aspekt: Die Zahlen geben den Rangplatz an, den die Elemente einer geordneten Menge einnehmen. Frage: Der / die wievielte?
Beispiele: die erste, der letzte, der fünfte - Operatoraspekt: Die Zahlen werden in Verbindung mit einer Funktion benutzt. Frage: Wie oft? Wie viele Male?
Beispiele: dreimal, das Fünffache - Maßzahlaspekt: Die Zahlen stehen in Verbindung mit einer Größe und geben das Verhältnis zu einer Einheit an. Frage: Wie lang? Wie schwer? Wie teuer? usw.
Beispiele: 20 cm, 3 kg, 35 min - Rechenaspekt: Mit Zahlen kann man rechnen. Man rechnet mit Zahlen im Kopf, schriftlich auf Papier oder mit Maschinen.
Beispiele: 5 + 3 = 8, 12 = 3 · 4
Hinzu kommen zwei weitere Aspekte, die für die "Entdeckungen im Zahlenland" besonders wichtig sind: - Geometrischer Aspekt: Zahlen begegnen uns in geometrischen (ebenen oder räumlichen) Zusammenhängen.
Beispiele: Dreieck, Viereck, Siebeneck oder Tetraeder, Würfel - Narrativer Aspekt: Zahlen besitzen eine emotionale oder symbolische Bedeutung, z.B. in Erzählungen, Märchen, Liedern, in Kulturen und Religionen.
Beispiele: Glück (7), Unglück (13), Erde (4), Auferstehung (8), Christentum (3)
Die moderne Hirnforschung nutzen und didaktische Grundprinzipien achten
Die Qualität und Nachhaltigkeit einer frühen mathematischen Bildung wird davon abhängen, inwiefern in seiner praktischen Ausgestaltung wissenschaftliche Erkenntnisse und bewährte didaktische Prinzipien berücksichtig werden.
Hirnforschung als wissenschaftlicher Hintergrund
Die grundlegenden (und neuen) Ideen der "Entdeckungen im Zahlenland" sind über einen Zeitraum von 20 Jahren aus der Verbindung von Hirnforschung und Mathematikdidaktik entstanden.
In den folgenden sieben Punkten werden Aspekte genannt, die bei der Entwicklung des Projekts als Leitlinien dienten.
- Kompetenzpädagogik: Als Maß für die Wirksamkeit von Erziehung und Bildung gilt, wie weit es gelingt, die individuelle Begabung jedes Kindes zu entdecken und zu entwickeln. Nicht der zu lernende Stoff steht an erster Stelle, sondern die Kompetenzen der Kinder. Es geht darum, für jedes Kind optimale Bedingungen für die Entwicklung seiner geistigen Kräfte zu schaffen.
- Fehler als natürlicher Bestandteil des Lernens: Fehler sind natürliche Begleiter des Lernens. Wesentlich ist das Erkennen des Fehlers, bevor er fest mit der Situation verknüpft ist und damit immer wieder aktiviert wird.
- Hirnentwicklung und Umwelt: Der "Bauplan" des Gehirns ist lediglich in seiner Grundausstattung durch das Erbgut festgelegt. Seine Entwicklung und genaue Gestaltung bedarf von Geburt an der ständigen und aktiven Wechselwirkung mit der Umwelt. Eine Anlage entfaltet sich nur bei passender Umwelt, und umgekehrt kann eine anregende Umwelt nur vorhandene Anlagen zur Wirkung bringen. Wir dürfen jedoch davon ausgehen, dass jedes Kind prinzipiell über die Fähigkeit verfügt, Mathematik zu verstehen und anzuwenden.
- Sensible und kritische Zeitfenster: Für die Entwicklung mancher Anlagen gibt es sensible und kritische Zeitfenster, also für die Entwicklung besonders günstige Phasen bzw. solche, nach deren Ablauf sich die entsprechende Anlage kaum noch ungestört entfalten kann. Die "Entdeckungen im Zahlenland" geben Kindern früh Gelegenheit, ihre mathematische Begabung zu wecken und zu entwickeln, ohne sie zu festgelegten Inhalten zu verpflichten.
- Vielfalt und Konstanz: Eine optimale Gestaltung der Lern-Umwelt erfordert ein ausgewogenes Verhältnis von Vielfalt und stabiler Ordnung. Das Projekt "Entdeckungen im Zahlenland" bietet den Kindern eine große Vielfalt an Sinneserfahrungen, Aktivitäten, Denkaufgaben und Erlebnissen. Doch wird genau so viel Wert auf eine deutlich erkennbare Struktur und auf gleich bleibende Elemente gelegt, mit denen die Kinder schnell vertraut werden.
- Wahrnehmung und Motorik: Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess, der eng mit Bewegung verbunden ist: Bewegen der Augen, des Kopfes, Zeigen, Greifen, Annähern usw. Je jünger Kinder sind, desto ausgeprägter müssen solche Bewegungen auf den Reiz hin erfolgen. Bei den "Entdeckungen im Zahlenland" ist die Verbindung von Wahrnehmung und Motorik ein durchgehendes Grundelement.
Einen bedeutsamen Beitrag zum Verständnis der Wahrnehmung hat die Gestaltpsychologie durch den Begriff der Gestalt und durch die Entdeckung der Gestaltgesetze geliefert. Die Gestaltgesetze wurden beim Entwurf der Lernmaterialien bewusst beachtet. - Aufmerksamkeit, Motivation und Emotion: Von großer Bedeutung für das Lernen ist die Entwicklung jener Bereiche des Gehirns, die uns zu Aufmerksamkeit, zu Motivation und zu tragfähigen Gefühlen befähigen. Im Projekt sollen die Kinder lernen, sich gezielt und mit Ausdauer einer Sache zuzuwenden, in der Erkundung des Zahlenlands ein persönlich wichtiges Ziel zu sehen und die Welt der Zahlen mit guten Gefühlen zu verbinden.
Das eigene Potenzial entfaltet sich am besten im positiven Erleben. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder früh die Welt der Zahlen und Formen mit Erfolg und guten Gefühlen verbinden.
Didaktische Prinzipien
Als Beispiele bewährter didaktischer Prinzipien seien hier aufgeführt:
Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit
Wir alle wissen, dass man Tennis oder Fußball nicht allein durch Zuschauen lernen kann. Man muss selbst spielen. Selbsttätigkeit ist gerade für kleine Kinder unerlässlich. Ständige Hilfestellungen führen zu kurzfristigen Leistungssteigerungen. Ein langfristiger Lernerfolg stellt sich jedoch nur dann ein, wenn unser Gehirn immer wieder Gelegenheit findet, Fehler selbst zu erkennen und sie auch selbst zu korrigieren.
In den "Entdeckungen im Zahlenland" wird daher dem Kind die notwendige Zeit eingeräumt, eine Situation erst selbst auszuprobieren und eigene Lösungen zu finden, die seinem Entwicklungsstand angemessen sind. Die Erzieherin sollte immer deutlich zeigen, dass sie den Fähigkeiten des Kindes vertraut und sollte nur helfen, wenn ein Kind ohne Hilfe nicht zurechtkommt oder Hilfe wünscht. So kann das Kind Vertrauen in seine eigenen Kräfte gewinnen und die Erfahrung machen, dass es schön ist, sich eigene Ziele zu setzen und diese zu erreichen.
Ein gelassener und bewusster Umgang mit Fehlern wird in den "Entdeckungen im Zahlenland" insbesondere durch Auftritte des "Fehlerteufels" geübt. Der Fehlerteufel erscheint in regelmäßigen Abständen und verursacht "Fehler". Die Kinder können so immer wieder erproben, wie man Fehler durch Hinschauen und Innehalten erkennt, behebt und am Schluss die Richtigkeit kontrolliert.
Variation der Darstellungsform
Es werden drei Formen der Darstellung von Wissen unterschieden: die enaktive, die ikonische und die symbolische Form. Alle drei Formen der Wissensdarstellung sollten gemäß ihres Charakters gezielt eingesetzt werden: Die enaktive Form vollzieht sich durch eine Handlung und sollte die wichtigste Form in einem Projekt für die frühe mathematische Bildung darstellen. Die ikonische Form verwendet Bilder und kann in vielerlei Gestalt als Hilfsmittel für die Darstellung von Wissen eingesetzt werden. Die symbolische Form benutzt Zeichen und entspricht der mathematischen Sprache. Sie sollte in einem Projekt für Vorschulkinder nur sehr zurückhaltend verwendet werden.
Lernen in Zusammenhängen
Das Gehirn verknüpft Elemente, wenn sie wiederholt räumlich oder zeitlich in der Nähe auftreten. In den "Entdeckungen im Zahlenland" wird dieser Zusammenhang insbesondere im Zahlenhaus und auf dem Zahlenweg gepflegt. Zudem benötigt Lernen in Zusammenhängen fest bleibende und gut erkennbare "Markierungen". Diese Verlässlichkeit wird durch die gut erkennbare Struktur des Projekts und seine gleich bleibenden Elemente gegeben. Auch Gefühle stiften Zusammenhänge. Daher sind Gefühle in diesem Projekt zur frühen mathematischen Bildung kein störender, sondern ein wichtiger und erwünschter Faktor.
Das Spiralprinzip
Nach dem Spiralprinzip wird das gleiche Thema mehrmals behandelt, immer jedoch der Entwicklungsstufe und dem Wissensstand des Kindes angepasst. Die ständige Wiederholung auf ansteigenden Stufen schafft neue Zusammenhänge und fördert Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit.
Ganzheitlichkeit
Das Konzept der "Entdeckungen im Zahlenland" soll das Kind als "ganze" Person fördern und dazu beitragen, seine individuelle Begabung durch Lernen zu entwickeln und Kompetenz für sein Leben aufzubauen. Zudem sollte das Kind die Mathematik als "Ganzes" in überschaubaren Einheiten erleben, deren Teile es nach und nach immer genauer kennen lernt. Im Zahlenhaus, auf dem Zahlenweg und in den Zahlenländer n begegnet das Kind der "Mathematik" mit seiner "ganzen" Person: mit Sehen, Hören und Anfassen, mit Sprechen und Bewegen, mit Denken und Phantasie, mit Freude und Neugier.
Die frühe mathematische Bildung in der Praxis
Die "Entdeckungen im Zahlenland", die hier kurz vorgestellt wurden, sind für den Gruppenunterricht mit Kindern ab vier Jahren konzipiert. Je nach dem individuellen Entwicklungsstand eines Kindes kann das Projekt auch für Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren sinnvoll sein. Gute Erfahrungen wurden mit altersgemischten Gruppen von 12 bis 15 Kindern gemacht, in denen etwa gleich viele Mädchen und Jungen waren.
Gliederung in Lerneinheiten mit Unterteilung in Zahlenland 1 und Zahlenland 2
Der Projektverlauf ist in Lerneinheiten gegliedert, die sich in zwei Folgen unterteilen lassen: zunächst steht mit 10 Lerneinheiten der Zahlenraum von 1 bis 5 im Vordergrund, danach mit 12 Lerneinheiten der Zahlenraum von 1 bis 10.
In der ersten Hälfte des Projekts – hier "Zahlenland 1" genannt – soll das Kind mit den Zahlen 1 bis 5 vertraut werden und auf dem Zahlenweg erste Erfahrungen mit dem Zahlenraum von 1 bis 10 aufbauen. In der zweiten Hälfte des Projekts – hier "Zahlenland 2" genannt- überträgt das Kind sein Wissen von den Zahlen 1 bis 5 d urch Aktivitäten im Zahlenhaus und in den Zahlenländer n auf die Zahlen 6 bis 10. Auf dem Zahlenweg lernt es zudem den Zahlenraum von 1 bis 20 kennen.
Eine Lerneinheit ist je nach Situation (Alter der Kinder, Größe der Gruppe, Zeitplanung usw.) für einen oder auch für mehrere Termine geeignet. Bewährt hat sich ein Termin pro Woche mit einer Dauer von etwa einer Stunde. Die Zeitdauer sollte jedoch flexibel gehandhabt werden. Es darf weder Langeweile noch Hektik aufkommen.
Lernmaterialien
Spezielle Materialien, wie sie auf den beigefügten Bildern zu sehen sind, begleiten die drei Hauptlinien der "Entdeckungen im Zahlenland", das Zahlenhaus, den Zahlenweg und die Zahlenländer :
- Gymnastikreifen für die Wohnungen der Zahlen 1 bis 10 im Zahlenhaus, Stirnbänder für die "Zahlenkinder", passende "Möbel": Ständer mit Punktebild und Ziffernfähnchen, Bälle, Steine, Kastanien, Nüsse, Gewichtswürfel, Würfeltürme, Zahlengärtchen mit "Blumen", Blätter von Pflanzen, Trommel
- Teppichfliesen mit den Ziffern von 1 bis 20 für den Zahlenweg, Verkleidung für den Fehlerteufel
- Schilder und Tore für die Zahlenländer, Bilder von Pflanzen und Tieren, Stäbe mit Gummischlauchverbindungen für ebene und räumliche Figuren (z.B. für Fünfeck und Fünferzelt) usw.
- Nicht weniger wichtig als diese "harten" Medien sind die "weichen": Geschichten, Lieder, Spiele, Reime, Bilder usw.
Solche Materialien sind für den Erfolg des Projekts unverzichtbar. Sie öffnen die Mathematik den Sinnen und dem aktiven Entdecken. Erst so wird die Welt der Zahlen und Formen für Kinder zugänglich und verstehbar.
Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern
Eine mathematische Bildung im Kindergarten stellt Erzieherinnen und Erzieher vor neue Aufgaben, für die sie nicht speziell ausgebildet wurden. Da zudem die "Entdeckungen im Zahlenland" in Inhalt und Methode neu sind, hängt der Erfolg wesentlich von einer intensiven Einführung in das Konzept und in die wichtigsten Elemente der praktischen Durchführung ab.
Eine solche Einführung kann nicht allein schriftlich oder mit Hilfe von Medien erfolgen. Deshalb biete ich in Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen, die mit dem theoretischen Konzept und mit der Praxis vertraut sind, Seminare an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten umfangreiches schriftliches Material.
Bildung von Anfang an
Das Konzept "Entdeckungen im Zahlenland" wird von der Überzeugung getragen, dass eine frühe mathematische Bildung sowohl für das Leben des Einzelnen als auch für die wirtschaftliche Zukunft des Landes, in dem wir leben, von großer Bedeutung ist. Es versteht sich als theoretisch fundierter und praktisch erprobter Beitrag zur Verpflichtung der Gesellschaft, ihren Kindern eine "Bildung von Anfang an" zu ermöglichen.
Es bietet für schon vorhandene und praktizierte Angebote einen ganzheitlichen Rahmen, der Platz für eigene Ideen und andere Materialien lässt. Die praktischen Erprobungen haben gezeigt, dass auch Sprach- und Sozialkompetenz auf natürliche Art gefördert werden.
Meine bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass meine bereits hohen Erwartungen an die Lernbereitschaft und an das Lernvermögen der Kinder immer wieder übertroffen wurden. Es ist spannend und unterhaltsam, gemeinsam mit den Kindern das Zahlenland zu erkunden.
Materialien zum Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan im Internet
Auf der Homepage des Staatsinstituts für Frühpädagogik wurden mehrere Rubriken eingerichtet, in denen Erzieher/innen, Kinderpfleger/innen, Eltern, Träger und andere Interessierte Fachartikel und andere Informationen zum Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan vorfinden. Sie können die Website mit www.ifp-bayern.de aufrufen.
Folgende Rubriken/Inhalte können abgerufen werden:
- Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung: Grußworte von Frau Staatsministerin Christa Stewens und Herrn Professor Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis; Hinweise zum Bezug des Bildungs- und Erziehungsplans
- Allgemeines: zwei einführende Texte; Liste der Mitglieder der Fachkommission
- Erprobung: mehrere Artikel über die Implementationsphase; Listen mit den Ansprechpartnern im IFP, den Adressen der Modelleinrichtungen und den Mitgliedern der Implementationskommission
- Materialien zur Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans: knapp 30 Fachartikel zu Basiskompetenzen, Bildungsbereichen und anderen im Bildungs- und Erziehungsplan behandelten Themen
- Umsetzungshilfen: zwei Artikel mit Hinweisen, wie der Bildungs- und Erziehungsplan in die Praxis umgesetzt werden kann
- Praxisbeispiele aus den Modelleinrichtungen: 10 Beiträge über Projekte und andere Aktivitäten zur Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplans
- Forum Bildungsplan: Erzieher/innen und andere Interessierte können hier Kommentare zum Bildungs- und Erziehungsplan und Beiträge über die Umsetzung in die Praxis eintragen
- Informationen für Eltern: eine Broschüre und ein Interview speziell für Eltern mit Kindern in Tageseinrichtungen
- Informationen für Träger: ein Beitrag zum Bildungs- und Erziehungsplan, der sich direkt an die Träger von Kindertageseinrichtungen wendet
- Presseinformation: ein Informationstext für Pressevertreter/innen; mehrere Pressemitteilungen des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen; rund 25 Zeitungsartikel über die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplans in einzelnen Modelleinrichtungen
Diese Rubriken werden im Jahr 2005 weiter ausgebaut werden. Für die Redaktion ist Dr. Martin R. Textor zuständig.
Anmerkung
Viele interessante Fachartikel befinden sich auch in der Rubrik "Online-Texte" der IFP-Homepage.


