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Sprachliche Bildung und Literacy im Elementarbereich
Michaela Ulich

Wir haben leider für den Begriff "Literacy" kein passendes deutsches Wort (in Fachkreisen wird es gelegentlich mit "Literalität" übersetzt). Wörtlich heißt "Literacy" Lese- und Schreibkompetenz, aber der Begriff beschreibt weit mehr als die Grundfertigkeit des Lesens und Schreibens, er umfasst Kompetenzen wie Textverständnis und Sinnverstehen, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern, die Fähigkeit sich schriftlich auszudrücken, Vertrautheit mit Schriftsprache oder mit "literarischer" Sprache, oder sogar Medienkompetenz. Aber was hat das alles mit der frühen Kindheit zu tun? Sehr viel, denn die Entwicklung dieser Kompetenzen beginnt bereits in der frühen Kindheit.

Literacy in der frühen Kindheit ist ein Sammelbegriff für kindliche Erfahrungen rund um Buch-, Erzähl- Reim- und Schriftkultur. Manche Kinder machen solche Erfahrungen bereits in den ersten Lebensmonaten, bei anderen - weniger privilegierten - Kindern sind literacy-bezogene Erlebnisse bis zum Schulalter eher selten. Was sind das im Einzelnen für Erfahrungen bzw. Begegnungen? Diese können sehr vielfältig sein. Ein Kind lernt ein Reim und hat Spaß an Wortspielen; es erlebt, wie in der Familie und in der Umgebung oft Geschichten erzählt werden, ihm wird eine Gute-Nacht-Geschichte erzählt, es erzählt bei Tisch eine Geschichte und die Erwachsenen hören zu; fast jeden Tag wird ihm sein Lieblingsbilderbuch vorgelesen, zu Weihnachten bekommt es Bilderbücher; es nimmt sich selbständig ein Bilderbuch und blättert darin; es sieht, wie die Mutter sich ein Buch kauft und mit der älteren Schwester über das Buch spricht; es versucht ein Wort auf dem Bildschirm zu entziffern, es will seinen Namen schreiben und die Erwachsenen rund herum freuen sich, es versucht Wörter und Sprüche auf Plakaten zu entziffern und bekommt dabei Verstärkung; es sieht, wie die Eltern Briefe schreiben, es hört, wie sie über die Bedeutung eines "Textes" sprechen (Artikel in der Zeitung, ein Email), es macht mit der Großmutter eine Einkaufsliste, es sieht einen Zettel an der Haustür mit der Notiz "komme später...". Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen. Dies sind vor allem Beispiele aus dem familiären Umfeld, man könnte eine ebenso lange Liste für den Bereich der Elementarerziehung zusammenstellen. Und, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Familien, so gilt auch für den Elementarbereich, von der Krippe bis zur "Vorschulgruppe": hier gibt es große Unterschiede im Bereich der Literacy-Erziehung. Je nach "pädagogischer Kultur", Rahmenbedingungen in der Einrichtung, oder pädagogischem Konzept und Vorlieben der Fachkräfte machen einige Kinder in der Einrichtung sehr intensive und vielfältige Literacy-Erfahrungen, während andere eher selten diese Lernchancen haben.

Literacy und Bildungschancen

Warum sind Literacy-Erfahrungen in der frühen Kindheit so wichtig? Dazu gibt es zahlreiche Forschungsergebnisse. Die zentralen Thesen dieser Arbeiten - die theoretisch und empirisch abgesichert sind - lauten:

  • Bereits in der frühen Kindheit, lange bevor sie "formal" lesen und schreiben lernen, machen Kinder Erfahrungen mit verschiedenen Facetten und Erscheinungsformen von Lese-, Erzähl- und Schriftkultur (die so genannte Literacy-Kultur). Diese Erfahrungen gehören wesentlich zur sprachlichen Bildung von Kindern, sie haben Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen:
    - Kompetenzen (z.B. Sprachzuwachs)
    - Wissen (z.B. Wissen über Buchkultur, über die Funktionen von Schrift)
    - Einstellungen (z.B. Neugierde in Bezug auf Geschichten, Freude an Büchern).
  • Kinder mit reichhaltigen Literacy-Erfahrungen in der frühen Kindheit haben auch längerfristig "Entwicklungsvorteile", sowohl im Bereich der Sprachkompetenz als auch beim Lesen und Schreiben.. Sprachkompetenz, Lese- und Schreibkompetenz gehören nachweislich zu den wichtigsten Grundlagen für den Schulerfolg und für die Bildungslaufbahn von Kindern.
  • Kinder unterscheiden sich sehr in ihren Literacy-Erfahrungen. Je nach Situation in der Familie, sozio-kulturellem Umfeld und Betreuungssituation können Literacy-Erfahrungen für manche Kinder sehr intensiv und vielfältig sein, während sie für andere Kinder eher beiläufig und sporadisch bleiben. Im Bereich von Sprache und Literacy gibt es eine große Schere zwischen sog. "privilegierten" Kindern und weniger privilegierten Kindern, eine große Chancenungleichheit - bezogen auf das herrschende Bildungssystem.

Ich werde im Folgenden zwei Bereiche der Literacy-Erziehung näher erläutern: Bilderbücher und Schriftkultur. Dabei geht es mir um zweierlei:

  1. eine bewusstere Wahrnehmung der Lernchance "Bilderbuch" - und, damit verbunden, eine Aufwertung dieses Bereichs,
  2. eine stärkere Akzentuierung von Schriftsprache und Schriftkultur.

Bilderbücher im Dialog - vielfältige Lernchancen

Bilderbuchbetrachtung gehört nachweislich zu den wirksamsten Formen der Sprachförderung im frühen Kindesalter. Vor allem wenn die Bilderbuchbetrachtung als Dialog gestaltet wird, eröffnet sie Kindern vielfältige Lernchancen. Um welche Erfahrungen und Lernchancen geht es, was heißt in dieser Situation "dialogisch"?

Zuwendung und Nähe mit dem Fokus Sprache

Bei einer Bilderbuchbetrachtung genießt das Kind eine "nicht-unterbrochene" Zuwendung und Nähe des Erwachsenen in einer sprachintensiven Situation. Die Kommunikationssituation ist klar abgegrenzt oder sogar abgeschirmt, es gibt nicht die üblichen Unterbrechungen von Zuwendung und sprachlichem Austausch (man vergleiche eine Essensituation oder Basteln - das Gespräch wird dauernd unterbrochen, man holt schnell etwas, richtet etwas her, usw.). Vorleser und Kind sind (im Idealfall) auch körperlich sehr nah und aufeinander bezogen. Diese Nähe ist eher selbstverständlich, sie ergibt sich fast beiläufig mit dem gemeinsamen Sachbezug - das macht es auch schüchternen oder eher distanzierten Kindern leichter, in dieser Situation Nähe zu suchen oder zu finden und vielleicht auch eine Bindung aufzubauen. Diese abgeschirmte und eher "kuschelige" Situation ist zugleich sehr sprachintensiv, der Fokus der Aktivität ist Sprache und sprachliche Kommunikation: es geht um sprechen und zuhören, es gibt Bilder und Schrift, die beide "ver-sprachlicht" werden, als Bild-Deutung und als Geschichte.

Verweilen und wiederholen - ganz selbstverständlich

Die Bilderbuchbetrachtung ist eine Situation, die es erlaubt, das Tempo von sprachlicher Anregung und Kommunikation sensibel auf das Kind abzustimmen (je nach Sprachniveau und Interesse des Kindes). Das Tempo kann fast beliebig variiert werden: Ein Bilderbuch kann relativ zügig erzählt werden oder aber Kinder und Erwachsene verweilen lange bei einem Bild, bei einem Bildausschnitt. Wichtig erscheint mir, dass in dieser Situation das Verweilen, Erklären, Rückfragen oder Wiederholen ganz "natürlich" erscheinen, es kann als Teil der Aktivität integriert werden, und bekommt somit nicht so leicht einen belehrend-korrigierenden Anstrich. Kinder und Bezugsperson blättern einfach zurück, sie sprechen noch einmal über eine Episode in dem Buch, erinnern sich, usw.

Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit, ein und dasselbe Bilderbuch immer wieder vorzulesen. Auch das muss nicht didaktisch begründet erscheinen, es ist einfach ein Lieblingsbilderbuch. Untersuchungen zeigen, dass das mehrmalige Vorlesen eines Bilderbuchs den sprachlichen Lerneffekt bei sprachlich weniger kompetenten Kindern deutlich steigert. Um mit Jerome Bruner, einem Klassiker der Sprachentwicklung zu sprechen "Bilderbücher sind geduldig".

Eine besondere Form des Dialogs

Zunächst enthalten Bilderbücher eine Vielzahl von Dingen und Ereignissen, die Kinder im Bild und im Gespräch kennen lernen können (im Sinne der einfachen Wortschatzerweiterung). Aber wie wird darüber gesprochen? Hier gibt es je nach Entwicklungsstufe und Interesse des Kindes und je nach Art des Buches sehr viele Variationsmöglichkeiten und Abstufungen:

  • das einfache Benennen der Dinge, die man sieht (was sehr jungen Kindern oft viel Freudemacht),
  • definieren, umschreiben und "erweitern": "Was ist ein Hammer, wozu braucht man den?"
  • Beziehungen und Abfolgen herstellen zwischen den Bildern, zwischen den einzelnen Episoden: "Der Junge geht jetzt zum Fenster, und sieht, wie Markus zur Post rennt. Denn Markus sucht seine Freunde Peter und Lisa...",
  • deuten, Bedeutung "entstehen lassen" und zusammen "konstruieren", Deutungsprozesse bewusst machen, "weiterspinnen" und phantasieren": "...wie schaut der Junge? Er sieht so traurig aus, oder vielleicht müde, was glaubst du, manchmal kann man das schwer unterscheiden..." - "...ich glaube eher, dass er traurig ist, aber warum, das wissen wir nicht, was meinst du?" - "Ich könnte mir vorstellen...",
  • Bezüge herstellen zum Leben des Kindes, zur Welt außerhalb des Buches: "Ist dir das auch schon mal passiert? Gestern als wir aus dem Fenster geschaut haben, da...",
  • vorausdeuten: "Was könnte als nächstes passieren? Ob er seinen Freund findet? Vielleicht verläuft er sich dabei...", "Wie geht die Geschichte wohl zu ende?"
  • weiterspinnen: einen anderen Schluss finden, die Geschichte nach dem Ende weitererzählen.

All diese Ebenen - benennen, definieren und erklären, deuten und phantasieren - können bei ein und demselben Bilderbuch zusammenfließen. Wichtig ist die Aktivierung des Kindes, und zwar so, dass das Kind allmählich selbst zum Erzähler der Geschichte wird, und auch die Freiheit hat eigene Erfahrungen beizusteuern, frei zu assoziieren. Das einfache Benennen ("Das ist ein Hund") gehört zwar durchaus dazu, es aber nur eine "erste" Stufe, allmählich sollte das Kind mit Hilfe der Bezugsperson in den "Geschichtenmodus" übergehen: "Der Hund sucht jetzt sein Herrchen... und dann..." Zu viele "Was-ist-das"-Fragen von Seiten der Bezugsperson und das Kleben an der "richtigen" Geschichte können diese Aktivierung und Erzählfreude bei Kindern hemmen.

Die Schrift im Buch - auch für Kinder interessant

Beim gemeinsamen "Lesen" von Bilderbüchern erfahren Kinder fast "nebenbei" vieles über Schrift und Buchkultur. z.B.

  • Es gibt einen Autor, einen Buchtitel, einen Buchumschlag,
  • man blättert ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite und liest auf der einzelnen Seite (bei lateinischer Schrift) von oben nach unten, von links nach rechts,
  • neben den Bildern gibt es auch einen Text, der andere Informationen enthält als die Bilder,
  • im Text lassen sich einzelne Worte, dann Sätze erkennen, am Ende eines Satzes steht oft ein Punkt; in manchen Büchern tauchen bestimmte Worte auf jeder Seite auf, wie ein Leitmotiv,
  • usw.

Anhand dieser Erläuterungen wird deutlich: Bilderbuchbetrachtung mit einer größeren Gruppe von Kindern ist nicht besonders förderlich. Die Nähe, das sensible Variieren des Tempos, der Dialog, das Entdecken von Schrift, all dies ist nur bei einer kleinen Gruppe möglich. In keinem Fall darf die Bilderbuchbetrachtung zur Wortschatzübung verkümmern. Wichtig ist der Dialog, die Aktivierung des Kindes, der Spaß, und die Einstellung des Kindes: in Büchern gibt es spannende, traurige und lustige Geschichten oder interessante Informationen. Dies sind die besten Voraussetzungen für den Sprachzuwachs und für die spätere Lesefreude.

Die unterschiedlichen Bildungschancen von Kindern sind offensichtlich. Nehmen wir als Beispiel die für die Sprachentwicklung so wichtige Bilderbuchbetrachtung. Eine Studie in USA kommt zu folgender Schätzung: Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien kommen in die Schule mit durchschnittlich 25 Stunden eins-zu-eins Bilderbuchbetrachtung (ein Kind-ein Erwachsener), Kinder aus einer "Mittelschichtsfamilie" dagegen mit 1,000 bis 1,700 Stunden. Gleichzeitig konnte nachgewiesen werden, dass Kinder, die in ärmeren und weniger "akademisch" gebildeten Familien leben, und die dennoch mit Bilderbüchern und Geschichten aufwachsen, sprachlich deutlich im Vorteil waren gegenüber Kindern aus demselben sozialen Milieu.

Abschließend noch einige Richtlinien für den Einsatz von Bilderbüchern als "Sprachfördermaßnahme". Dazu gibt es Forschungsergebnisse, mit sehr konkreten Hinweisen. Die Bilderbuchbetrachtung sollte für das entsprechende Kind (a) mehrmals wöchentlich angeboten werden (mindestens 3x in der Woche) (b) in einer kleinen Gruppe (höchstens 5 Kinder, besser 3 Kinder), (c) sie muss als Dialog aufgebaut sein und (d) sie muss das Kind interessieren und ihm Spaß machen. Der Sprachzuwachs ist noch deutlich größer, wenn auch noch die Eltern einbezogen wurden. Dies wirft natürlich sogleich die Frage des Personalschlüssels und des Zeitbudgets auf. In aller Kürze ein paar Anmerkungen dazu:

  • Gruppen mit einem hohen Anteil von sozial und sprachlich benachteiligten Kindern und mehrsprachigen Migrantenkindern haben z.T. zusätzliche Kräfte,
  • wenn Bilderbücher und generell Literacy-Erziehung in einer Einrichtung zum erklärten Schwerpunkt werden, dann ist auch mehr Zeit dafür da,
  • es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Unterstützung zu holen, z.B. mit "Vorlesepaten" - Eltern, ältere Geschwister, Großeltern, Senioren aus der Nachbarschaft, die regelmäßig extra zum Vorlesen in die Kindertageseinrichtung kommen (dafür wäre auch ein Honorar denkbar).

Schrift- und Schriftkultur

Kindliche Begegnungen mit Schrift und Schriftkultur sind in Deutschland bisher nicht selbstverständlicher Bestandteil von Elementarpädagogik. Dies wird u.a. auch optisch deutlich: so sind in vielen Kindertageseinrichtungen die Gruppenräume praktisch "schriftfrei", es gibt z.B. kaum Plakate mit Schrift, oder Hinweisschilder, die auch Schrift enthalten. Eher selten werden Kinder einbezogen in schriftliche Tätigkeiten der Erzieherin - wie sie sich Notizen macht, eine Einkaufsliste, einen Plan für den Tag; nur selten werden Kinder zum "schreiben" angeregt.

Ich plädiere hier nicht dafür, dass Kinder künftig in der "Vorschule" schreiben lernen sollen. Es geht vielmehr darum, Kindern Erfahrungen mit Schriftkultur zu ermöglichen und das Interesse an Schrift und Schreiben zu verstärken oder zu wecken und zwar im Sinne eines explorativen, spielerischen Zugangs. Dazu gehören z.B. individuelle Schreibversuche von Kindern wie z.B. "Briefe" an die Freundin schicken (häufig mit Bildern und "Buchstabensalat"), den eigenen Namen schreiben, Schilder auf der Straße oder kurze Werbespots erkennen, Anweisungen beim Computerspiel "entziffern", Schriftzeichen aus anderen Kulturen kennen lernen - all dies kann interessengeleitete, individuelle Zugänge zu dieser "anderen" Welt eröffnen.

Für Kinder aus sozial und bildungsbenachteiligten Familien, die zuhause wenig Kontakt mit Schrift und Büchern haben, kann dies Lernchancen eröffnen und den Übergang zur Schule erleichtern. Denn Kinder werden ermutigt, Schrift und Schreiben als eine vielfältige Welt für sich zu entdecken und diese nicht nur als rein mechanische Fertigkeiten zu sehen, die mit Schulwissen und Leistungsdruck assoziiert werden. Hinzu kommt noch ein ganz praktischer Aspekt der Beschäftigung mit Schrift: Studien haben gezeigt, dass Kinder, die vor der Schule bereits einige Buchstaben kennen, sich leichter tun beim Anfangsunterricht Schreiben. Ich denke, das hängt nicht nur mit der Kenntnis des einzelnen Buchstabens zusammen, sondern mit einer generellen Vertrautheit mit Schrift und Schriftkultur, die Kindern einen "stressfreieren" Einstieg in den Anfangsunterricht "Schreiben" erleichtert. Ein Grund mehr, z.B. für Migrantenkinder diesen Einstieg leichter zu machen.

Dabei geht es um vielfältige, lustvolle Begegnungen mit Schriftkultur, wobei Schrift und Schreiben mit Sinn und konkreten Handlungen verbunden werden sollten. Einige Beispiele in Stichworten:

  • Rollenspiele mit Schreibszenen werden angeregt: es gibt auch mal eine Post, ein Büro, ein Restaurant mit der Speisekarte, der Ober nimmt die Bestellungen schriftlich auf, man geht mit einem "Rezept" in die Apotheke usw.,
  • in der Nähe der Leseecke ist auch eine "Schreibecke" - mit den entsprechenden Materialien; jedes Kind hat einen kleinen Block mit einem Stift dazu,
  • Kinder schreiben ihren Namen,
  • das spontane "Schreiben" von Kindern (z.B. ein Brief an die Freundin) wird geschätzt und gefördert - auch gegenüber Eltern; es gibt Mappen oder Schachteln, in denen Kinder ihre "Werke" ablegen können,
  • Kinder sammeln Logos und Wörter aus der Umgebung,
  • Buchstaben, attraktiv aufbereitet oder auch eine Anlauttafel, gehören zu den Materialien, die Kindern zugänglich ist,
  • Migranteneltern bringen Schriftstücke in anderen Sprachen mit (auch aus anderen Schriftkulturen) diese werden mit den Kinder besprochen und aufgehängt (Kalender, Plakate, Briefe usw.),
  • Gruppenregeln und raumbezogene Regeln werden schriftlich an der Wand festgehalten,
  • die Erzieherin hat im Gruppenraum einen eigenen Tisch, wo sie schreiben kann - (z.B. Schreibpult),
  • bei Besprechungen und Plänen mit den Kindern werden Listen bzw. Notizen angefertigt, die dann in der Gruppe als Informationsgrundlage für weiteres Vorgehen herangezogen werden - z.B. Erzieherin schaut vor dem Ausflug noch einmal nach: "Was haben wir uns denn noch aufgeschrieben, was fehlt uns denn noch…",
  • ältere Kindern werden angeregt, ihren Streit der Erzieherin so zu beschreiben, dass diese mitschreiben kann. Diese Notizen können dann später in Gesprächen mit den Kindern als Bezugspunkte herangezogen werden (ein solches Ritual ist natürlich nicht nur ein Beitrag zur Literacy-Erziehung, sondern auch zur Sozialerziehung),
  • Kinder diktieren Geschichten (vgl. Anmerkungen zu Szene 10),
  • Kinder erleben bei konkreten Anlässen, wie schriftliche Quellen der Informationsbeschaffung dienen (ein Kind erzählt von einem unbekannten Tier, oder jemand möchte wissen wie ein deutsches Wort auf Türkisch heißt: die Erzieherin zeigt wie sie im Lexikon, im Sachbuch oder im Internet Informationen dazu sucht).

Reichhaltige Erfahrungen rund um Buch-, Erzähl-, Reim- und Schriftkultur in der frühen Kindheit sind ein langfristig angelegter Beitrag zur Sprachförderung - mit langfristigen, positiven Auswirkungen auf die Sprach- und Lesekompetenz der Kinder.

Anmerkung

Dies ist der gekürzte Text eines Aufsatzes zur Literacy-Erziehung in der Zeitschrift kindergarten heute (2003), Jg. 33, S. 6-18. Dieser Aufsatz, in dem noch weitere Berieche von Literacy-Erziehung erläutert werden, ist auch in einem Sonderheft über Sprachförderung von KiTa atuell erschienen (KiTa spezial, Dezember 2003).


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