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Zum Umgang mit der Presse - allgemeine Hinweise
Martin R. Textor

Im Zusammenhang mit der Einführung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans werden viele Erzieher/innen von Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen angesprochen, die darüber berichten wollen. Andere Fachkräfte nehmen von sich aus mit der Presse Kontakt auf, um diese Gelegenheit zu nutzen, ihre pädagogische Arbeit in der Öffentlichkeit zu präsentieren.


Grundlagen

Pressekontakte im Zusammenhang mit dem Bildungs- und Erziehungsplan sollten als Teil der Öffentlichkeitsarbeit der Kindertageseinrichtung verstanden werden. Diese dient generell der Selbstdarstellung der Tagesstätte und des Berufsstandes der Fachkräfte: Die Erzieher/innen wollen ihre pädagogische Arbeit, ihre Leistungen, die Vielseitigkeit ihrer Tätigkeit und ihre Professionalität den Bürgern in ihrer Gemeinde (und im weiteren Umkreis) bekannt machen oder auf aus dem üblichen Rahmen herausfallende Aktivitäten und Projekte hinweisen. Sie möchten Interesse an Kindertageseinrichtungen wecken und eine positive Grundhaltung ihnen gegenüber in der Gemeinde hervorrufen.

Zu einer guten Öffentlichkeitsarbeit gehört, dass das Team ihre Ansprechpartner in den Redaktionen des Umkreises ermittelt. Zumindest zu Journalisten der Lokalpresse sollte dann möglichst ein lockerer, aber kontinuierlicher Kontakt aufgebaut werden. Dieser kann mit einem Informationsgespräch in der Redaktion beginnen und durch Besuche mit Kindern (in Kleingruppen), Zusendung der Kita-Zeitung, Telefonanrufe u.ä. aufrechterhalten werden. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass immer wieder Berichte über die eigene Einrichtung in der Zeitung stehen.


Vorbereitung und Durchführung des Besuchs eines Pressevertreters

Journalisten kommen in der Regel nur auf Einladung bzw. zu besonderen Anlässen wie die Einführung des Bildungs- und Erziehungsplans in eine Kindertageseinrichtung. Oft wollen sie vorab schriftliche Informationen haben. Hier kann auf die Presseinformation auf dieser Website zurückgegriffen werden.

Zur Vorbereitung des Besuchs eines Journalisten können Sie Materialien bereit legen, die Sie in Ihrer Einrichtung zum Bildungs- und Erziehungsplan gesammelt haben. Dazu können auch Projektskizzen, Kinderarbeiten, Wochenpläne u.ä. gehören, die verdeutlichen, wie Sie den Bildungsplan in die Praxis umsetzen. Überfliegen Sie auch einmal die Artikel, die schon in Zeitungen erschienen sind (siehe die folgenden Texte in dieser Unterrubrik). Dann bekommen Sie einen Eindruck davon, was Pressevertreter interessiert und worüber sie vermutlich berichten wollen.

Begüßen Sie die Journalisten herzlich und laden Sie sie zu einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wasser in das Leiter/innenbüro ein. Beantworten Sie ihre Fragen offen, ehrlich und freundlich - möglichst ohne Verwendung von Fachbegriffen wie "Situationsansatz" oder "Orff-Instrumente" (ansonsten mit Begriffserklärung, wobei man auch vieles im Kindergarten zeigen kann). Unangenehmen Fragen sollte nicht ausgewichen, fehlende Kenntnis durchaus eingestanden werden. Zeigen Sie den Journalisten dann Ihre Einrichtung und verdeutlichen Sie, wie der Bildungs- und Erziehungsplan in die Praxis umgesetzt wird (Was passiert in der Bauecke und welche Basiskompetenzen der Kinder werden dabei gefördert? Was machen die Kinder mit den gesammelten Naturmaterialien? Was lernen die Kinder im Rollenspielbereich?). Besonders leicht gelingt dies, wenn die Kinder sich gerade mit diesen Materialien bzw. Tätigkeiten befassen. Haben Sie in Ihrer Einrichtung - z.B. an der Fotowand - ein Projekt dokumentiert oder Aushänge zu den Förderschwerpunkten gemacht, weisen Sie die Journalisten darauf hin.

In der Regel wollen die Journalisten mit Kindern sprechen oder Fotos machen und dabei möglichst ungestört sein. Wichtig ist, dass Sie die Erlaubnis der Eltern für Foto- oder Filmaufnahmen durch Dritte eingeholt haben. Haben Sie z.B. eine allgemeine Einverständniserklärung zum Zeitpunkt der Aufnahme der Kinder in Ihre Einrichtung erhalten, mögen manche Eltern dies nur auf Ihre Fotos/ Videoaufnahmen bezogen haben - und es macht schon einen Unterschied, ob ein Foto an die Fotowand der Kindertageseinrichtung geheftet oder in einer Tageszeitung veröffentlicht wird...


Einen Zeitungsartikel selbst schreiben

Können Journalisten aus Zeitmangel eine Einladung nicht wahrnehmen, bietet es sich an, im Team gemeinsam einen Artikel zum Bildungsplan und dessen Umsetzung in die Praxis abzufassen und an den Ansprechpartner in der jeweiligen Redaktion zu senden. Die Wahrscheinlichkeit, ob ein Artikel gedruckt wird oder nicht, steigt nicht nur mit der Zahl von - nach Meinung des Lokalredakteurs - potentiell interessierten Leser/innen, sondern auch mit dem Grad der Annäherung an den üblichen Stil von Zeitungsartikeln. Orientieren Sie sich an den bereits veröffentlichten Artikeln weiter unten in dieser Rubrik!

Generell sollte die Überschrift Ihres Artikels den Inhalt zum Schlagwort verdichten und das Interesse der Leser wecken. Dann kommt der Kern der Pressemeldung (Wer? Was? Wann? Warum? Wo?). Abschließend kann z.B. auf Vorgeschichte, Hintergründe, angestrebte Ziele, genauen Ablauf und andere Details eingegangen werden. Gegen Ende des Artikels sollten die Sätze immer unwichtiger werden, da dies dem Redakteur ein Kürzen des Textes erleichtert (durch Wegstreichen der letzten Sätze). Ansonsten sollte ein lockerer und lebendiger Stil mit kurzen, sachlichen und verständlichen Sätzen gewählt werden. Ein überzogenes Selbstlob ist zu vermeiden.

Es ist sinnvoll, den Artikel mit weitem Zeilenabstand und breitem Rand zu schreiben, da dies dem Redakteur die Korrektur, Ergänzung, Auszeichnung u.ä. erleichtert. Auch das Beifügen von ein oder zwei Fotos erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Abdrucks. Diese sollten möglichst kontrastreich sein, natürlich wirken, Personen bei einer Aktivität vor einem ruhigen Hintergrund zeigen und mit einem Kurztext versehen sein. Fotos mit Kindern sind ansprechender; es sollten aber nie mehr als fünf Personen zu sehen sein.

Überlegen Sie, ob Sie nicht auch einen Praxisartikel mit Bezug auf den Bildungs- und Erziehungsplan für eine Fachzeitschrift verfassen wollen. Deren Redaktionen ertrinken keineswegs in einer Artikelflut. So sind generell die Chancen groß, dass ein Manuskript auch abgedruckt wird.

Selbstverständlich können Sie auch Praxisartikel, Projektberichte u.ä. mit Bezug auf die Umsetzung des Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplans auf der Homepage des Staatsinstituts für Frühpädagogik veröffentlichen. Bitte senden Sie Ihr Manuskript an die Redaktion (redaktion@ifp.bayern.de). Sie wird prüfen, ob Ihr Text aufgenommen werden kann.


Rundfunk bzw. Fernsehen in der Kindertageseinrichtung

(Lokal-)Fernsehen und Rundfunk kommen im Zusammenhang mit der Einführung des Bildungs- und Erziehungsplans eher selten direkt auf eine Kindertagesstätte zu. Der "Aufhänger" ihrer Reportagen ist zumeist eine Pressekonferenz von Politikern bzw. Verbandsvertretern. Um den Bericht zu "illustrieren", wollen sie dann auch Aufnahmen mit Kindern machen. Der Kontakt zu einer Kindertageseinrichtung wird zumeist durch Dritte (Jugendamtsleiter, Wohlfahrtsverbände, Pressereferenten usw.) vermittelt.

Somit kommen Leiter/innen eher plötzlich und unverhofft in die Situation, vor dem Mikrophon oder der laufenden Kamera Auskunft über den Bildungs- und Erziehungsplan und dessen Umsetzung geben zu müssen. Wird ein solcher Besuch angekündigt, sollten Sie sofort nach den Zielen der Berichterstattung fragen und dem Redakteur - der ja kein Spezialist ist - ergänzende Informationen (z.B. den bereits erwähnten Pressetext) und Hinweise (z.B. über die beste Aufnahmezeit) geben. Anschließend sollten das ganze Team, die Eltern und die Kinder über den Besuch unterrichtet werden.

Bei Fernsehaufzeichnungen bietet es sich an, scharfe Kontraste bei der Kleidung zu vermeiden und auf auffälligen Schmuck zu verzichten. Während eines Interviews sollten Sie sich eher langsam bewegen, auf unnötige Gesten verzichten und immer zum Gesprächspartner hin sprechen. In der Regel wird nur in die Kamera hineingesprochen, wenn sich die jeweilige Person an das Fernsehpublikum direkt richten will. Ansonsten gilt sowohl für Fernseh- als auch für Rundfunkinterviews, dass Sie sich als Fachfrauen präsentieren, mit kurzen Sätzen antworten sowie Fachbegriffe und Fremdwörter vermeiden sollten. In schwierigen Situationen können Sie durch Nachfragen Zeit gewinnen.

Sie müssen sich aber bewusst sein, dass vor allem Fernsehteams sehr an Aufnahmen mit Kindern bzw. von der alltäglichen Kindergartenarbeit interessiert sind. Bei solchen Aufzeichnungen sollten Sie sich möglichst ruhig, natürlich und "wie sonst auch" verhalten. Dann kann nichts schief gehen!



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