Kirchliche Feste in Kindertageseinrichtungen feiern
Michael Schnabel
Im Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen nimmt die "Ethische und religiöse Bildung und Erziehung" eine zentrale Stellung ein. Die Erziehung der Kinder in Kindertageseinrichtungen darf sich nicht darin erschöpfen, dass nur Sinneserfahrungen angesprochen werden, vielmehr gilt es auch Tiefendimensionen der Wirklichkeit Kindern zu erschließen. Daher sollen sie Sinn- und Wertsysteme kennen lernen, die Fragen nach Ursprung und Ziel des Lebens beantworten können.
In unserer noch weitgehend christlich geprägten Gesellschaft sind es in erster Linie Feste und Festzeiten des Kirchenjahres, in denen Kinder religiöse Rituale, Bräuche und religiöse Verhaltensweisen erleben können. Auch in Kindertageseinrichtungen werden Feste des Kirchenjahres mit Kindern vorbereitet und gefeiert. Daher formuliert der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan als Ziel: "Kinder erleben religiöse Feste, die darauf bezogenen Erzählungen aus Heiligen Schriften, Geschichten und Legenden sowie dazugehörige liturgische Vollzüge. Über diese Erlebnisse werden für sie auch die Zusammenhänge mit ihrem eigenen Leben deutlich, kommen Hoffnungen, Wünsche und Ängste zum Ausdruck" (S. 151).
Der Sinngehalt religiöser Feste soll den Kindern so erschlossen werden, dass Inhalte des Festcharakters erlebbar werden. Dazu ist es nötig, dass die Pädagog/innen über Ursprung und Intention der religiösen Feste informiert sind. In den nachfolgenden Ausführungen werden die wichtigsten Feste und Festzeiten des Kirchenjahres vorgestellt.
Advent
Wenn sich das Grau des Novembers durchgesetzt hat und die langen Nächte Oberhand gewonnen haben, beginnt die Adventszeit. Ende November bzw. Anfang Dezember ist der erste Adventsonntag. Er ist der Beginn des Kirchenjahres und die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, die Feier der Geburt Jesu.
Advent heißt wörtlich übersetzt "Ankunft". Es ist die Zeit, in der die Ankunft des Messias erwartet wird. Sie erinnert an das Warten des Volkes Israel auf seinen Erlöser. Im Advent warten die Christen auf die Geburt Jesu und bereiten sich auf dieses Fest vor. Weiterhin kann das Leben jedes Menschen als Wartezeit auf die Erlösung im Tod gesehen werden.
Der Adventskranz mit seinen vier Kerzen zeigt uns: Vier Wochen dauert das Warten bis zum Weihnachtsfest. Bildlich gesprochen hat die Menschheit viertausend Jahre auf den Erlöser gewartet.
In der Adventszeit werden Stimmungen, Hoffnungen und Ängste dieses Wartens wieder wach: Lohnt sich das Warten? Wird das Warten ein Ende haben? Werden sich die Erwartungen erfüllen?
Die Liturgie greift Texte aus dem Alten Testament auf, in denen die Israeliten in Gebeten und Liedern ihre Sehnsucht nach den Retter und Erlöser ausdrückten. Diese Stimmungen durchziehen auch die Adventszeit: Das Warten verlangt Geduld, es nährt Zweifel und Hoffnungen. Warten lässt das kommende Ereignis spannender werden, steigert die Freude und Begeisterung. Und daher erleben Erwachsene wie Kinder in der Adventszeit ein Gespür für das Geheimnisvolle, für ihre Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen.
Den Kindern wird diese Zeit des Wartens erleichtert durch den Adventskalender. Kerzen und Lichter sind Symbole der Hoffnung. Sie verweisen darauf, dass sich die Erwartung auf Erlösung erfüllen wird. Eine Erfüllung, die mit Jesu Leben und Wirken die Menschen erreicht hat.
Weihnachten
An Weihnachten feiern die Christen die Geburt Jesu. Das Wort "Weihnachten" verweist darauf: Es ist die geweihte, die heilige Nacht, in der Jesus als Sohn Gottes geboren wurde. Die Christen sehen darin ein feierliches, festliches und göttliches Ereignis, denn mit der Geburt Jesu beginnt die Erlösung der Menschen.
Die Freude, dass Gott den Menschen Jesus und seine Botschaft zukommen ließ, kommt in Weihnachtsliedern, in Geschichten und Spielen, in Musik und Brauchtum zum Ausdruck. Ganz besonders anschaulich wird das Festereignis, wenn eine Krippe aufgestellt wird. Die Figuren sollen erzählen und aufzeigen, was sich an Weihnachten ereignete.
Weihnachten ist in erster Linie das stimmungsvolle Erleben des heiligen Abends in der Familie. Kinder und Erwachsene beschenken sich gegenseitig. Die Bescherung ist als Zeichen der Freude und des Glücks darüber zu verstehen, dass Gott mit der Geburt Jesu das schönste Geschenk den Menschen gemacht hat.
Das freudige Ereignis wird gleich mit zwei Festen begangen: das Weihnachtsfest am 25 Dezember und das Fest "Erscheinung des Herrn" am 6. Januar. Beide Feste haben ihren Ursprung in biblischen Erzählungen. Die Geburt Jesu wird bei Lukas erzählt (Lk 2,1-20) und ist somit der Ausgangspunkt des Weihnachtsfestes am 25. Dezember. Matthäus (Mt 2,1-12) erzählt von der Huldigung der Sterndeuter. Es ist heute noch in der Ostkirche das eigentliche Weihnachtsfest.
Weihnachten als Fest der Geburt im Stall von Bethlehem ist erst im 4. Jahrhundert nachgewiesen und hat sich besonders im romanischen und germanischen Raum durchgesetzt. Der 25. Dezember ist dort vorher das Fest der Wintersonnwende gewesen. Es wurde wahrscheinlich bereits bei den Germanen gefeiert. Im römischen Reich wurde am 25. Dezember das Fest des unbesiegbaren Sonnengottes begangen. Die Christen haben diesem Fest einen christlichen Sinngehalt verliehen: Christus als die aufgehenden Sonne, Christus als die unbezwingbare Sonne der Gerechtigkeit.
Fasching und Fastenzeit
Fasching und Fastenzeit sind zwei Zeitabschnitte von sehr gegensätzlichem Charakter: Im Fasching stehen ausgelassenes Treiben, Vergnügen, Humor, Spott und Fröhlichkeit im Mittelpunkt. Die Fastenzeit hingegen lädt ein zu Besinnung, Einschränkung, Ruhe und Einkehr. Da Fasching und Fastenzeit direkt aufeinander folgen, stehen sie vielleicht doch in einer sinnvollen Verbindung?
Ein nahe liegender Gedanke: Vor dem strengen Fasten, vor einer radikalen Einschränkung möchte jeder noch einmal so richtig über die Stränge schlagen. Daher war es im Mittelalter in Klöstern üblich, vor der Fastenzeit nochmals üppig zu essen und zu trinken. Auch wurden die Regeln des Zusammenlebens gelockert oder "verdreht": Beispielsweise spielte der Mönch auf der untersten Stufe der Hierarchie den Leiter des Klosters, oder Schüler übernahmen die Rolle der Lehrer oder des Schulleiters.
Fasching und Fastenzeit sind auch durch einen tiefer liegenden Sinn verbunden: Im Fasching ist die Fröhlichkeit, das ausgelassene Treiben und die Ungezwungenheit äußerlich. Dagegen lässt die Fastenzeit die innere Fröhlichkeit aufleben; sie führt den Menschen zu Einfallsreichtum und schenkt Gelassenheit und Festigkeit. Der Reichtum geistiger und seelischer Fähigkeiten entfaltet sich. Menschen, die fasten, weiten ihre Freiheit aus, indem sie sich von Gewohnheiten und Routine lösen. Sie dringen zu einer neuen Lebens- und Wahrnehmungsfähigkeit vor.
Das Kirchenjahr lädt ein, in der Fastenzeit durch Verzicht und Einschränkung ein neues Körpergefühl und neues Bewusstsein zu erreichen. Die Fastenzeit beginnt mit dem Aschermittwoch und erstreckt sich bis zum Karsamstag. Sie dauert 40 Tage und dient zur Vorbereitung auf das Osterfest. Früher gab es sehr strenge Vorschriften für die Fastenzeit: Man durfte sich nur einmal am Tag satt essen. Es musste auf Fleisch, Butter Käse und Eier verzichtet werden. Noch heute werden diese Lebensmittel bei den Ostergottesdiensten geweiht. Es soll damit der Start dieser Genüsse segensvoll ausfallen. An Sonntagen galt das Fastengebot nicht.
In der Fastenzeit sind Verzicht und Einschränkung nur ein vordergründiges Anliegen. Die Fastenzeit dient vielmehr dazu, mit Achtsamkeit dem Körper zu begegnen und freier und offener zu werden. Bewusster Verzicht macht den Menschen stärker, lässt sein Selbstbewusstsein wachsen und eröffnet neue Freiheiten. Die Fastenzeit ist somit auch eine intensive spirituelle Zeit.
Karwoche
Die Karwoche ist die Woche unmittelbar vor Ostern. Sie ist die Kernzeit der österlichen Passionszeit und für Christen die wichtigste Woche des Kirchenjahres. Das Wort "Kar" kommt vom althochdeutschen "Kara" und bedeutet "Klage, Sorge, Kummer, Trauer". Es ist die Woche der Trauer, der Trostlosigkeit, des Leidens und Sterbens. In dieser Woche werden die extremsten Ereignisse durchschritten, die ein Leben bieten kann: Freude und Begeisterung, Trauer und Tod.
Am Beginn - dem Palmsonntag - steht die helle Begeisterung für Jesus. Die Bibel erzählt: Jesus zog in Jerusalem ein, und die Menschen jubelten ihm zu. Sie schwangen Palmzweige und feierten ihn wie einen König. In der Liturgie wird mit einer Palmprozession an dieses Ereignis erinnert.
Der Gründonnerstag erinnert an das Abendmahl, das Jesus mit seinen Aposteln feierte. Nach dem Abendmahl wurde Jesus gefangen genommen, und es beginnt sein Leidensweg. Die Bezeichnung Gründonnerstag könnte sich vom Wort "Greinen" (bedeutet: weinen) herleiten. Oder vom ehemaligen Brauch in der alten Kirche, an diesem Tag die ausgeschlossenen Büßer wieder in die eucharistische Gemeinschaft aufzunehmen. Sie wurden sozusagen wieder grüne Zweige am Baum der Kirche.
Der Karfreitag ist der Gedächtnistag an Jesu Leiden und Sterben. In den Kirchen werden Gottesdienste gefeiert, die das Leiden und Sterben Jesu beinhalten. Wegen der leidvollen Erinnerung werden am Karfreitag im Gottesdienst keine Orgelmusik und keine Glocken verwendet.
Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe. Nachdem Jesus am Kreuz starb, wurde sein Leichnam in ein Felsengrab gelegt. Diese Zeit des Verweilens im Grab hat der Karsamstag zum Thema. In manchen katholischen Pfarreien wird ein Heiliges Grab in der Kirche aufgebaut. Das Grab Jesu wird mit einer Überfülle von Blumen geschmückt. Dadurch soll bei den Gläubigen eine Vorahnung der Auferstehung geweckt werden.
In der Nacht des Karsamstags beginnt Ostern. Es werden in Pfarreien entweder bei Einbruch der Dunkelheit oder am frühen Morgen Gottesdienste der Osternacht gefeiert.
Ostern
Ostern ist das Hauptfest der Christen: Es ist der krönende Abschluss der Karwoche. Mehr noch: Ostern ist ein Neuanfang der Erlösung. Mit Ostern beginnt das weltumspannende Wirken Jesu durch die Kirche. Wurden vom Gründonnerstag bis Karsamstag Stationen von Jesu Leiden und Sterben gefeiert, so beginnt in der Osternacht die Feier der Auferstehung Jesu.
Das Osterfest ist von allen christlichen Festen das erste und ursprünglichste. Denn schon in den ersten Jahrzehnten nach Jesu Tod bekennt die christliche Gemeinde: "Christus starb für unsere Sünden. Er wurde begraben und auferweckt am dritten Tage. Er erschien dem Petrus und danach den zwölf Aposteln" (1 Kor 15,3-5). Bereits auf dem Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) wurde der Termin des Osterfestes auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt.
Die theologischen Wurzeln des Osterfestes gehen zurück auf das jüdische Paschafest. Im Paschafest feiern die Israeliten die Befreiung aus der Knechtschaft der Ägypter. Ostern ist das Fest der Befeiung aller Menschen von den Fesseln des Todes.
Auch im Kirchenjahr steht das Osterfest so sehr im Zentrum, dass sich um dieses Fest alle anderen Feste gruppieren. Demnach ist Weihnachten eine österliche Vorfeier und Pfingsten eine österliche Nachfeier.
Das Wort "Ostern" zeigt weitere Aspekte dieses Festes auf: Die beiden Worte "Ostern" und "Osten" unterscheiden sich nur durch einen Buchstaben: Oste(r)n. Daher resultiert die Annahme, "Ostern" könnte ein vorchristliches Fest bezeichnen, das das zunehmende Licht von Osten verehrte. Angeblich sollten sich die Blicke der Frauen, die am leeren Grab Jesu standen, nach Osten gerichtet haben. Denn nach alten Überlieferungen sei Jesus von dort her auf die Erde zurückkommen.
Eine weitere Erklärung: Das germanische Wort "Austro" leitet sich aus dem altindischen Wort "Usra" ab. Es bezeichnet die Morgenröte. Darauf stützt sich die Annahme von einer germanischen Frühlingsgöttin, die entweder Austro oder Ostara bezeichnet wurde. Ostaras Fest könnte der vorchristliche Ursprung des Osterfestes sein.
Aufgehende Sonne und Morgenröte sind Bilder für den auferstandenen Christus, der in der Bibel als "Licht der Welt" bezeichnet wird.
Da Ostern am Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert wird, unterstreicht die Natur die österlichen Aussagen: Das Leben gewinnt nach dem Winter wieder die Oberhand. Die frischen Blumen, das zarte Gras und das hervorspitzende Laub haben die Starre des Winters durchbrochen. Die Erfahrungen des Frühlings lassen erspüren: Jesus hat die Fessel des Todes durchbrochen und lebt in Herrlichkeit.
Pfingsten
Das Pfingstfest beschließt den Osterfestkreis. Es erinnert daran: Jesus lebt. Er lebt in Herrlichkeit bei Gott, und er sendet Gottes Geist auf die Menschen, die sich zu ihm bekennen.
Pfingsten zeigt: Jesu Wirken und Verkündigung geht machtvoll weiter. Wie durch Feuer und Sturm bereitet sich die christliche Botschaft aus. Der Geist Gottes - der Heilige Geist - wirkt jetzt in der Verkündigung der Jünger und Apostel. Das Pfingstfest erinnert an die Aussendung des Heiligen Geistes, wie die Bibel berichtet: Als beim jüdischen Erntedankfest viele Menschen in Jerusalem waren, erfüllte die Jünger und die Apostel der Heilige Geist. Unerschrocken traten sie auf und verkündeten die Botschaft Jesu. Es war, wie wenn ein Sturm sie ergriffen hätte. Sie waren von ihrem Auftrag so erfüllt, dass das Feuer ihrer Begeisterung auf alle übersprang.
Das Pfingstfest ist nicht nur eine Feier, die an vergangene Ereignisse erinnert, sondern an Pfingsten stehen die Kraft und Energie des Geistes, wie er durch den Glauben wirkt, im Zentrum. Christlicher Glaube gibt den Menschen Mut und Stärke. Durch Gottes Geist erlangen die Menschen Weisheit, Einsicht und Selbstbewusstsein. Durch das Wirken des heiligen Geistes gelangen die Menschen zur Vollendung ihrer Fähigkeiten und Kräfte.
Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes, wird am Beginn des Sommers gefeiert. Die Natur steht am Höhepunkt des Wachstums: Pflanzen und Bäume blühen, Früchte reifen heran. Vereinzelte Fröste des Frühlings sind vorbei. Blühen, Wachsen und Reifen in der Natur kann nicht mehr aufgehalten werden. Es ist die geballte Kraft des Lebens zu spüren - ein treffendes Bild für die Wirkkraft des heiligen Geistes.
Erntedank
Je nach Gegend verschieden wird das Erntedankfest an einem Sonntag im Oktober begangen - meist am ersten Sonntag im Oktober. Der religiöse Sinn dieses Festes ist, Gott dem Geber aller Gaben für die Ernte zu danken. Heute steht nicht nur der Dank für die Früchte des Feldes und der Gärten im Vordergrund, sondern es wird auch für den Lebensunterhalt, den Arbeitsplatz, die gesicherten Lebensumstände gedankt. Denn Tag für Tag erleben wir hautnah durch die Medien, wie durch Naturkatastrophen, Seuchen, Krankheiten und Unfälle Menschen leiden und umkommen.
Erntedank ist auch das Fest des Hochgenusses, der Freude und Begeisterung. Denn Erntedank ist Erinnerung daran, welche Freude, Begeisterung und Stolz damit verbunden sind, ernten zu dürfen. Bei Kindern zeigt sich dieses urtümliche Erleben noch direkt und unverfälscht. Sie sind voller Freude und Begeisterung, wenn sie im Garten eine Gurke, einen Kürbis, Äpfel u.a. ernten dürfen.
Mit "Ernten" ist nicht nur das Einbringen von Obst und Früchten gemeint. Wir benutzen den Ausdruck auch in einem weiteren Sinn: Wir ernten unsere Erfolge. Wir ernten unseren Lohn. Wir ernten Anerkennung. Im erweiterten Sinne ist jede erfolgreiche Handlung die Ernte unserer Fähigkeiten. Es ist die Freude über ein gelungenes Werk, über eine kreative Schöpfung, über die Realisierung neuer Ideen. Kinder haben dieses Hochgefühl, wenn ihnen eine Zeichnung gelungen ist, wenn sie eine Bastelarbeit anfertigen, wenn sie eine neue Fähigkeit erwerben konnten.
Erntedank kann auch eine Erinnerung an unsere Leistungen und Erfahrungen sein, die wir im vergangenen Jahr machen konnten. "Dass ich das noch erleben durfte...", sagen manchmal Menschen, wenn sie etwas Außergewöhnliches erlebten oder Einmaliges geleistet haben. Erntedank kann auch ein Dankfest für die schönen Erfahrungen im Leben sein.
Allerheiligen
Am 1. November ist der Festtag "Allerheiligen". Es ist ein über 1200 Jahre altes Fest der Katholiken. Auch wenn die Bezeichnung "Allerheiligen" schon die Erklärung liefert - wir gedenken aller, die heilig sind -, so ist dieses Fest wenig im Bewusstsein der Gläubigen.
Was ist das Besondere an den Heiligen? Die Christen erzählen von großen Taten, von eigenwilligen Verhaltensweisen und überzeugendem Auftreten einiger Mitchristen. In den so genannten Heiligenlegenden wird geschildert, wie Menschen ihre christliche Überzeugung und ihr Handeln und Leben an Gott orientierten. Weil es diesen Menschen gelang, sich völlig auf Gott einzulassen, werden sie Heilige bezeichnet.
Und doch waren die Heiligen Menschen wie jeder von uns: Sie waren fröhlich und ausgelassen, sie waren traurig, still und zurückgezogen. Das Besondere und Einmalige dieser Menschen war: Sie nahmen die Botschaft Jesu ohne Abstriche ernst. Sie lebten ganz für Gott und versuchten, christliche Ideale mustergültig zu verwirklichen.
Allerheiligen ist ein Fest der Freude und Gemeinschaft mit all den heiligen und seligen Menschen. An diesem Festtag erinnert die Kirche an die Menschen, die nach dem Evangelium ihr Leben ausgerichtet hatten und die Seligkeit erreicht haben. Die Christen sind überzeugt, dass es eine unermesslich große Zahl von Menschen gab, die ein heiligmäßiges Leben führte. All die vielen bekannten und unbekannten heiligen Menschen feiert die Kirche am Fest Allerheiligen.
Allerheiligen ist nicht nur Erinnerung an Menschen, die ein heiliges Leben führten. An diesem Fest feiern die Christen die Gemeinschaft mit den Heiligen. Denn der Apostel Paulus bezeichnet alle Menschen, die an Christus glauben, als Heilige. Allerheiligen ist somit getragen von der Freude und vom Glück der Gläubigen mit all den Menschen, die an Christus glauben und die in diesem Glauben gestorben sind. Allerheiligen ist das Fest der Begeisterung von Christen darüber, dass sie in ihrem Glauben nicht allein sind, sondern Schulter an Schulter in einer großen Gemeinschaft stehen.
Allerseelen
Die mit Freude erfüllten Gedanken des Allerheiligen-Tages kommen wenig zur Geltung, denn in vielen Pfarreien beginnen am Nachmittag von Allerheiligen bereits die Allerseelenfeiern.
Am Fest Allerseelen denken die Christen an ihre verstorbenen Verwandten und Bekannten. Sie besuchen die Gräber und nehmen an Prozessionen und Andachten teil. Die Gräber wurden mit Blumen und Kränzen geschmückt. Die Menschen stellen Grablaternen auf und zeigen damit, dass sie sich mit den Verstorbenen verbunden wissen.
In vielen Familien ist es Brauch, dass sich nach der kirchlichen Feier alle Verwandten zu einem gemeinsamen Essen treffen. In Erzählungen werden all die Ereignisse und Begebenheiten, die man mit dem Verstorbenen erleben durfte, wieder wach. All zu häufig steht an Allerseelen die Trauer über die Verstorbenen im Vordergrund. Und doch sollte Allerseelen ein freudiges Fest sein. Ähnlich wie Allerheiligen ist Allerseelen auch ein Fest der Gemeinschaft aller gläubigen Christen: der Lebenden und Verstorbenen.
St. Martin
"Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne...", "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne...", "Sankt Martin ist ein frommer Mann..." - richtige Ohrwürmer, die auch bei Erwachsenen noch nachklingen. Wer einen Kindergarten besucht hat, der wird sich gerne an das Martinsfest zurückerinnern: Erwachsene und Kinder ziehen mit Laternen durch die Straßen und singen Lieder. Es wird eine Martinsgeschichte vorgelesen oder gespielt und alle Teilnehmer erhalten eine Martinsbreze.
Der heilige Martin gehört zu den volkstümlichen Heiligen. Zahlreiche Kirchen, Klöster und Einrichtungen sind nach ihm benannt. Viele Bräuche sind mit seinem Namen verbunden. Seit dem 16. Jahrhundert findet am Vorabend des Martinstages ein Laternenumzug statt. Er erinnert an dem beim Volk sehr beliebten Bischof Martin und an seine guten Taten.
Nach der Legende wurde der heilige Martin um 316 im heutigen Ungarn geboren. Sein Vater und seine Mutter waren Heiden. Mit zwölf Jahren bat er seine Eltern um eine Einführung in den christlichen Glauben. Sechs Jahre später wurde er getauft. Er musste nach kaiserlichen Verordnungen den Militärdienst ableisten. Wegen seiner Güte und Bescheidenheit war er bei den Soldaten sehr beliebt. Die Legende erzählt, dass Martin an einem kalten Wintertag einen frierenden Bettler am Straßenrand fand. Er teilte seinen Mantel und schenkte ihn dem Bettler. Er half ihm und rettete ihm das Leben.
Nach dem Militärdienst ließ sich Martin von seinem Freund dem Bischof Hilarius im christlichen Glauben unterrichten. Er wurde zum Priester geweiht. Martin wollte sich ganz dem Gebet und der Frömmigkeit widmen, deshalb zog er in die Wälder vor der französischen Stadt Poiters. Er lebte dort als Einsiedler und half armen Menschen, wo er nur konnte.
Im Jahre 371 wurde der beliebte Mönch von der großen Mehrheit des Volkes und der Geistlichen zum Bischof gewählt. Martin wies dieses hohe Amt zurück und soll sich in einem Gänsestall versteckt haben. Das Schnattern der Gänse verriet ihn, und er wurde als Bischof feierlich eingesetzt. Auch als Bischof lebte Martin wie ein einfacher Mönch. Sein Wirken galt vor allem den armen und kranken Menschen.
St. Nikolaus
Am Beginn der Adventszeit - am 6. Dezember - wird das Fest des heiligen Nikolaus gefeiert. Am Vorabend seines Namenstages wird der heilige Nikolaus durch eine Vielzahl von Bräuchen geehrt. Meistens tritt in einem Spiel der Nikolaus als Gabenbringen auf. Er beschenkt Kinder und Erwachsene und liest aus dem goldenen Buch gute und schlechte Taten vor. Mancherorts steckt Nikolaus die Geschenke in aufgestellte Stiefel vor der Tür.
Wer war dieser Heilige, der so sinnenfällig verehrt wird? Über das Leben des heiligen Nikolaus gibt es kaum geschichtlich gesicherte Daten. Und dennoch existieren viele Erzählung und Legenden, die das Leben des klugen und gütigen Bischofs beschreiben. Sie stellen uns einen Mann vor, der so mutig und menschenfreundlich war, dass sein Andenken bei vielen Menschen in hohen Ehren stand und immer noch steht.
Der Name "Nikolaus" bedeutet "Sieger des Volkes". Anschaulicher könnte man sagen: der, der sich für den Sieg und das Glück der kleinen Leute einsetzt. Nikolaus wurde im 4. Jahrhundert als Sohn reicher Eltern in Kleinasien - der heutigen Türkei - geboren. Sein Vater und seine Mutter waren sehr reich und besaßen ein großes Schloss und viel Land. Sie starben sehr früh. Der junge Mann Nikolaus lebte ein Leben in Luxus, bis er eines Tages erkannte: Ein Leben in Untätigkeit, Genuss und Vergnügen ist ein sinnloses Leben. Daraufhin gab Nikolaus den armen und kranken Menschen seiner Heimatstadt von seinem Reichtum ab. Eine Legende erzählt, wie er drei Töchtern eines armen Mannes mit Gold gefüllte Beutel in die Kammer warf, damit sie sich Aussteuer für die Hochzeit kaufen konnten.
Als dann in der Stadt Myra der Bischof starb, kamen aus den umlegenden Städten die Bischöfe zusammen, um einen Bischof zu wählen. Die Wahl fiel auf Nikolaus: Er war als frommer, gebildeter und hoch angesehener Mann bekannt. Auch als Bischof hat Nikolaus sich für die Armen und Menschen in Not und Verfolgung eingesetzt. Es werden viele Legende von seinem unerschrockenen Handeln erzählt. Als Nikolaus starb, wurde er weiter von den Christen verehrt. Er ist der Schutzpatron der Kinder und Schüler und der Seeleute.


