Kooperationsprojekt mit Hessen:
Bildungs- und Erziehungsplan von 0 bis 10 Jahren
Projektteam
Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios E. Fthenakis (Projektleitung)
Dr. Jürgen Wüst, Projektkoordination in Hessen
Tel.: 0173-8914247
E-Mail: Juergen.Wuest@ifp.bayern.de
Anna Spindler, Projektkoordination am IFP
Tel.: 089-99825-1947
E-Mail: Anna.Spindler@ifp.bayern.de
Dr. Christina Bauer
Tel.: 089-99825-1966
E-Mail: christina.bauer@ifp.bayern.de
Regine Paulsteiner
Tel.: 089-99825-1967
E-Mail: regine.paulsteiner@ifp.bayern.de
Aktuelles
Seit dem Start der ersten Fortbildung für die jeweils aus Grundschulen und Kindertageseinrichtungen bestehenden Tandems im Herbst 2008 konnten bis September 2011 rund 1.200 dieser Qualifizierungsangebote mit einer Teilnehmendenzahl von fast 20.000 Fach- und Lehrkräften durchgeführt werden. Hessenweit nutzen über 500 Tandems (Stand: September 2011) das Angebot gemeinsamer Fortbildungen zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan (HBEP). Durch regelmäßige Großveranstaltungen in Form von Regionalveranstaltungen (am 15. September 2011 in Wartenberg bei Fulda und am 16. September 2011 in Erbach im Odenwald) und Elternabenden (am 21. September 2011 in Bad Hersfeld) werden gezielte Impulse für die Beschäftigung mit dem HBEP gesetzt. Bis Ende 2012 sollen alle der rund 50.000 hessischen Fach- und Lehrkräfte im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sowie mit den Qualifizierungsangeboten zum HBEP erreicht werden.
Das Projekt
Entstehungsgeschichte und Ziele
Mit dem Ziel, auf dem Gebiet der frühen Bildung und Erziehung zusammen zu arbeiten, wurde im April 2004 ein Kooperationsvertrag des Hessischen Sozialministeriums und des Hessischen Kultusministeriums mit dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen abgeschlossen.
Bayern und Hessen haben sich darauf verständigt, ihre Kooperation bis Ende 2012 fortzusetzen und bei der Entwicklung und Erweiterung ihrer Bildungspläne weiterhin partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Das IFP war als wissenschaftliches Institut von Anfang an bei der Entwicklung, Planung und Gestaltung der Implementierung beauftragt und ist nun bei der wissenschaftlichen Begleitung und Weiterentwicklung der Umsetzung eingebunden und verantwortlich.
Einen Schwerpunkt der Implementation des HBEP bildet die Unterstützung der Fach- und Lehrkräfte bei der Planumsetzung. Aus den Rückmeldungen im Rahmen der Erprobungsphase (2005-2007) ging eindeutig der Wunsch der Praxis nach gemeinsamer Fort- und Weiterbildung für den Elementar- und Primarbereich hervor. Diese Fortbildungsangebote werden seit September 2008 von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durchgeführt, die auf Grundlage des HBEP gezielt qualifiziert wurden. Die Zusammenarbeit der beiden Länder soll dazu dienen, Arbeitsergebnisse aus den bisher gemachten Umsetzungserfahrungen hinsichtlich der Bildungs- und Erziehungspläne für Bayern und Hessen zu nutzen, die Erkenntnisse daraus zielgerichtet zu bündeln und Synergieeffekte zu erzielen.
Entwicklung des Plans
Basierend auf dem Bayerischen Plan wurde der Bildungs- und Erziehungsplan von 0 bis 10 Jahren in Hessen (HBEP) entwickelt und 2005 in einer ersten Entwurfsfassung publiziert. Dieser erste Planentwurf stellte sich in einer dreimonatigen Anhörungsphase öffentlich zur Diskussion und wurde, basierend auf der Vielzahl an Rückmeldungen, überarbeitet und im Januar 2007 publiziert.
Um die Praxis an der Weiterentwicklung des Plans bestmöglich zu beteiligen, wurde der jeweilige Planentwurf auf seine Praxistauglichkeit, Verständlichkeit und Qualität hin überprüft. Die wissenschaftliche Begleitung der Erprobungsphasen beider Länder erfolgte jeweils durch das IFP.
Erprobungsphase
Der Bildungs- und Erziehungsplan wurde nach einer ersten Anhörungsphase von Beginn des Kindergarten-/Schuljahres 2005/06 bis Ende Januar 2007 hessenweit erprobt.
Tandems, bestehend aus mindestens einer Grundschule und einer Kindertagesstätte, konnten sich für die Erprobungsphase bewerben. Diesem „Grundtandem“ konnten sich jeweils weitere Tandempartner anschließen wie z.B. die Familienbildungsstätte oder Kindertagespflegepersonen. Die Erprobung fand in insgesamt 120 Tandems statt, davon wurden 43 Tandems in einem so genannten inneren Kreis wissenschaftlich begleitet.
Ziele der Erprobungsphase waren die Bewertung des Planentwurfs hinsichtlich seiner Qualität, Verständlichkeit und seiner Praxistauglichkeit als Orientierungsrahmen. Es ging vor allem auch darum, gemeinsam mit den Fach- und Lehrkräften Erfahrungen zu sammeln und zu Ergebnissen zu kommen, die eine solide Grundlage für die Gestaltung der flächendeckenden Umsetzung des Planes liefern.
Diese Ergebnisse gingen in die Weiterentwicklung des Bildungs- und Erziehungsplans ein und sind Ausgangspunkt für die Gestaltung des Implementationskonzeptes. Die Ergebnisse der Erprobungsphase können Sie hier abrufen.
Implementation des Bildungs- und Erziehungsplans
Die in der Erprobungsphase durch die Erzieherinnen, Erzieher, Lehrkräfte und die weiteren pädagogischen Fachkräfte gewonnenen Erfahrungen werden bei der Gestaltung der Implementation des Bildungs- und Erziehungsplans aufgegriffen. Dabei wird der Wunsch nach Ausweitung der zeitlichen Ressourcen für die einzelnen Einrichtungen zunächst aufgefangen durch qualifizierte Unterstützung und Beratung.
Sie finden insbesondere Berücksichtigung bei der Gestaltung von Begleitmaßnahmen in drei Handlungssträngen, die aus den Ergebnissen der Erprobungsphase abgeleitet wurden:

- Information und Kommunikation (ab Herbst 2007)
Der Bildungs- und Erziehungsplan wird allen Fach- und Lehrkräften zur Verfügung gestellt. Ergänzend dazu gibt es Begleitmaterialien, z. B. Flyer, Elternbroschüren in mehreren Sprachen sowie Handreichungen. Auf regionalen und überregionalen Veranstaltungen werden die Grundsätze und Prinzipien des Plans der Fachöffentlichkeit vorgestellt.
- Qualifizierung und Ausbau der „Management-Ebene“ (ab dem Kindergarten-/Schuljahr 2007/08)
Den Leitungskräften in den Kindertagesstätten und Schulen oder auch in anderen Einrichtungen kommt bei der Gestaltung der Umsetzungsprozesse vor Ort eine große Bedeutung zu. Zu ihrer Qualifizierung werden Kurse in den einzelnen Regionen angeboten, die im Tandem besucht werden können. Auch für Fachberaterinnen und Fachberatern aus dem Kindertagesstätten- und Grundschulbereich sind diese Qualifizierungsangebote vorgesehen. Für die Grundschulen wird das Fachberatersystem durch die Bereitstellung von personellen und zeitlichen Ressourcen in jedem Staatlichen Schulamt ausgeweitet.
- Fortbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte (ab dem Kindergarten-/Schuljahr 2008)
Seit dem Kita- und Schuljahr 2008/2009 werden gemeinsame Fortbildungen für alle Fach- und Lehrkräfte angeboten, um sich in die Grundsätze und Schwerpunkte des Plans einzuarbeiten und diese später in der Praxis des Kita- und Schulalltags umsetzen zu können. Die Teilnahme an den Fortbildungsangeboten erfolgt auch hier im Tandem, bestehend aus mindestens einer Kindertageseinrichtung und einer Grundschule. Weitere Partner können sich anschließen.
Voraussetzung für eine gelingende Implementation des Bildungs- und Erziehungsplans ist, dass sich vor Ort Tandems (mindestens eine Grundschule und eine Kindertagesstätte) finden, die gemeinsam die Umsetzung des Bildungs- und Erziehungsplans verfolgen, dazu eng miteinander kooperieren, den Bildungs- und Erziehungsplan als Ausgangspunkt ihrer Bildungs- und Erziehungsarbeit wählen und auf seiner Grundlage ihre trägerspezifischen Profile, Einrichtungskonzeptionen und Schulprogramme entwickeln. Wünschenswert für den Prozess der Tandembildung ist es, wenn sich alle unterschiedlichen Lernorte des Elementar- und Primarbereichs vor Ort zusammenschließen.
Nähere Informationen zur Implementierung und den beteiligten Akteuren finden Sie hier.
Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Von Ende 2007 bis September 2008 wurden insgesamt 107 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Umsetzung des HBEP vom Projektteam des IFP qualifiziert und anschließend zertifiziert. Die Evaluation der Qualifizierungsmaßnahme erfolgte ebenfalls vom IFP.
Das ko-konstruktive Bildungsverständnis, welches dem HBEP zugrunde liegt, wurde auch auf die Konzeption der Multiplikatorenqualifizierung übertragen, die sehr viele ko-konstruktive Elemente enthielt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickelten in institutionenübergreifenden Kleingruppen Grundlagentexte und Fortbildungskonzepte für insgesamt 24 Module, basierend auf dem HBEP und gruppiert in 5 Großgruppen („Clustergruppen“).
Diese Qualifizierung umfasste insgesamt 11 Schulungstage in der Großgruppe und ergänzend noch Workshops in Klein- und Großgruppen, Vertiefungsangebote und Einzelarbeit. Begleitend wurde über eine Zusammenarbeit mit der bundesweiten Internetplattform Bibernetz.de eine Austauschplattform installiert, auf der die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren alle Funktionen des Web 2.0 zur gegenseitigen Beratung und Supervision sowie zum Informationsaustausch nutzen können.
Projektplanung für die Phase 2011- 2012
Auch in der aktuellen Projektphase bis Ende 2012 liegt die wissenschaftliche Begleitung weiterhin beim IFP. Folgende Arbeitsschwerpunkte sind dabei von Seiten des Projektteams zu erfüllen:
- Weiterführung und Optimierung der Implementierung durch Projektkoordination, die aktive Mitwirkungen in verschiedenen Steuerungsgremien sowie an Schnittstellen zu anderen Projektes des Landes wie beispielsweise Bildung für nachhaltige Entwicklung im Rahmen der hessischen Landesnachhaltigkeitsstrategie
- Qualitätsentwicklung durch Beratung, Weiterqualifizierung und Vernetzung der mehr als 100 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie durch fachliche Ausarbeitungen für die Praxis
- Fortsetzung und Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit durch Vorträge, Publikationen und die Mitwirkung an Veranstaltungen
- Evaluation der verschiedenen Qualifizierungsangebote durch Vollerhebungen
- Konzeptionelle Weiterentwicklung des Bildungsorts Familie sowie eines ergänzenden Moduls für die Zielgruppe Eltern
- Übertragung der in Hessen gesammelten Erfahrungen auf Bayern.
Publikationen (Auszug)
Spindler, A. & Wüst, J. (2011). Bildungsort Kindertagespflege: Wie Kooperation mit Kita und Schule gelingen kann. ZET 3/2011, S. 26-27.
Hessisches Sozialministerium (Hrsg.) (2011). Kinder in den ersten drei Lebensjahren: Was können sie, was brauchen sie? Eine Handreichung zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0-10 Jahren. Wiesbaden: Eigendruck.
Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen & Staatsinstitut für Frühpädagogik (2010). Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren. Eine Handreichung zum Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. Berlin/Weimar: Verlag das Netz.
Berwanger, D., Lorenz, S., Minsel, B. (2009). Sicherung von Qualität durch Evaluation und Dokumentation: Vergleich der Erprobungsergebnisse Bayern - Hessen. In F. Becker-Stoll & B. Nagel (Hrsg.): Bildung und Erziehung in Deutschland - Pädagogik für Kinder von 0 bis 10 Jahren. Berlin/Mannheim: Cornelsen Scriptor.
Hessisches Sozialministerium & Hessisches Kultusministerium (Hrsg.) (2007). Auf den Anfang kommt es an. Der Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Wiesbaden: Eigendruck.
Berwanger, D. (2007). Verschulung des Kindergartens – spielerisches Lernen in der Schule: Wie ähnlich können/sollen/dürfen die Institutionen arbeiten?“. TPS (3), 7-12.
Berwanger, D. & Reis, K. (2006). Der Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen. Ergebnisbericht zur Erprobungsphase. Wiesbaden: Muhr.
Griebel, W. & Berwanger, D.(2006) Transition from primary school to secondary school in Germany. In: International Journal of Transitions in Childhood 2006, 2, 32-38.
Griebel,W. & Berwanger, D. (2007). Den Übergang erfolgreich bewältigen. Schulverwaltung NRW, Jhrg. 18 (1), 19-21. Nachdruck in: Schulverwaltung NI, Jhrg. 18 (3), 81-83; Schulverwaltung BY, Jhrg. 30 (2), 40-42.
Weiterführende Links:
Wichtige Informationen rund um den hessischen Bildungsplan
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des HBEP
Bibernetz (Netzwerk frühkindliche Bildung )
Seite von Prof. Dr. Dr. Dr. Fthenakis


